| Urwald, Wasserstrassen, Traumstrände: Ostmadagaskar. |
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Es gibt für mich klingende Namen, die ich wohl schon aus der Kindheit als solche übernommen habe. Madagaskar gehört dazu, Sansibar und Timbuktu. Das liegt wohl nicht zuletzt am Lied „Wir lagen vor Madagaskar, und hatten die Pest an Bord…“ Anders als in der Kindheit weiß ich nun, wo Madagaskar liegt: es ist eine Insel an der ostafrikanischen Küste. Und sie ist groß, so groß wie Spanien und Portugal zusammen. Als Madagaskar sich vor Jahrmillionen vom afrikanischen Festland löste, nahm die Evolution hier einen eigenen Verlauf. Etwa 80 Prozent aller Lebensformen, Pflanzen wie Tiere, sind sonst nirgendwo auf der Welt anzutreffen, sind also endemisch. So leben von den Lemuren hier 40 Arten. Im Osten und in der Bergregion findet sich teilweise Regenwald mit viel Niederschlag, an der Westküste gibt es lange Trockenperioden, im Süden exotische, karge Steppengebiete. Das ca. 800 m hohe „Hochland“ verdient den Namen schon, da ausreißende Berggipfel bis zu 3000 m reichen. Der Tourismus gilt als „unterentwickelt“, 1999 besuchten gerade einmal 140.000 Gäste dieses Gebiet. Darin wird eine Chance gesehen, über sanften Ökotourismus schädliche Auswirkungen möglichst hintanzuhalten. 2005 war ich mit einer Gruppe im Süden von Madagaskar. Auf Wunsch und auch, da es uns allen so gut gefallen hat, war für August 2007 der Norden vorgeschlagen. Als ich mich dann mit der Planung beschäftigte, habe ich bemerkt, dass ich den Osten eigentlich viel spannender finde, sehr abwechslungsreich auf nicht sehr langer Fahrstrecke. Zuerst noch zum Termin: ich habe Air Madagascar angefragt um den Abflug 31.7. Eine Person bisher wird am 14.8. retour fliegen, andere inclusive mir am 18. oder 19.8., sodass sich noch ein paar Tage mehr auf der Insel St. Marie ausgehen, zum Baden, Radeln, Wandern oder nur einfach: zum Sein.
Ich
schlage momentan folgendes vor: Wir verlassen Tana. Nahe der Hauptstadt liegt das Hochland Imerina, das Land der Merina. Sie stellen die größte Volksgruppe Madagaskars. Reisfelder, über weite Hügel verstreute Dörfer, große glattgeschliffene Granitberge, wasserreichen Flüsse mit Stromschnellen und Seen prägen die Landschaft. Nach den Vororten der Hauptstadt kommen wir am Sammelplatz der Charettes vorbei, Karren, mit denen die Bauern ihre Waren zum Markt bringen. In Manjankandriana (das heißt übersetzt „Wo die Königin regiert“) zweigen wir für 12 km ab nach Süden und erreichen nach ca. 3 Stunden Fahrt unser erstes Ziel, den Lac Mantosoa. Er liegt an der Grenze zwischen dem Hochland und dem Regenwald an der Ostküste. Dieser von Bergen umgebene Stausee wurde 1936, nach anderen Quellen 1836 angelegt und wird zur Stromerzeugung sowie als Bewässerung für das Hochland genutzt. Rund um den See finden sich Pinien- und Eukalyptuswälder und Reste des Regenwaldes, der früher die ganze Insel überzog. Der See überflutete einen Großteil der Industrieanlagen, die Königin Ranalavona I. im 19. Jhdt. Nach Plänen eines französischen Beraters von 20 000 Arbeitern erbauen ließ – eine Industriestadt, wie sie zu der Zeit in Europa nur selten zu finden war: Glasbläsereien, eisenverarbeitende Betriebe, Papierfabriken, Schmieden, Färbereien, Tischlereien, Sägewerke usw. Ein Ziel war angeblich, den Monarchen mit Waffen und Munition zu versorgen. Allerdings haben Bevölkerung und Arbeiter diese Anlage gehasst, da sie dafür monatelang umsonst arbeiten mussten. Nach Unstimmigkeiten haben sie Großteile der Anlage zerstört. Heute sieht man noch die Munitionsfabrik und Haus sowie Grabstätte des Beraters. Inzwischen ist das Gebiet ein beliebter Ausflugsort zum Fischen, Segeln, Jausnen, und genau das werden wir vielleicht auch machen, unsere jause hier am Ufer des Sees verzehren. Denn es gab zumindest bis vor kurzem kein Restaurant hier. Weiter geht es über spektakuläre Kurven einen steilen Gebirgsabbruch hinunter, wir kommen vom Hochland in heißere und tropischere Gegenden, dann nach Moramanga („Wo die Mangos billig sind“). In dieser kleinen Stadt findet man Steinhäuser neben den traditionellen Holzhäusern. Wir fahren noch ein Stückchen weiter und suchen uns ein gemütliches Dorf zum Bleiben: Andasibe, ca 140 km östlich von Tana. Hier bleiben wir 2 Nächte. Am nächsten Tag können wir den Nationalpark Mantadia besuchen, um im Regenwald die berühmten Iris mit ihrem eigenartigen Schrei und Lemuren zu sehen, in ruhiger, wunderschöner Umgebung mit vielen Wasserfällen. Oder/und wir besuchen das Perinet Naturreservat, oft als Höhepunkt einer Madagaskarreise genannt. Denn kaum sonst wo findet man so viele seltene Tiere und Pflanzen auf so kleinem Raum. Der Regenwald ist voller Orchideen, Lemuren, Schmetterlinge, Chamäleons, Indris, endemische Vögel wie die blaue Madagaskartaube, Frösche usw. Es geht weiter, zu einem Highlight: dem Canal des Pangalanes. Dieser Kanal aus natürlichen Flüssen und künstlichen Seen erstreckt sich über 600 km entlang der Ostküste. Er ist ein vor den Launen des Meeres geschützter, sicherer Transportweg mittels dort typischen Holzbooten für Gewürze, Kaffe und Reis, angelegt von den Franzosen. Der Kanal ist die einzige Lebensader, die die einzelnen Dörfer seit der vorletzten Jahrhundertwende mit der Außenwelt verbindet. Vielleicht übernachten wir im kleinen Dorf Ambila, schon am Meer gelegen, um von hier aus die Kanaltour zu starten. Oder aber zwei Nächte in einem privaten Tier- und Pflanzenreservat an einem See, in kleinen Bungalows. Von hier aus kommt man leicht ans Meer, kann nach kurzem Spaziergang einen See mit Krokodilen besuchen oder eine mit deutscher Hilfe erbaute Schule im nächsten Dorf. Dann geht es mit dem Boot oder auch Auto weiter. Auch von der Staße aus hat man einen schönen Blick auf die Kanal- und Seenlandschaft, die bei Toamasina endet. Von hier aus zwei Stunden Fahrt, und wir sind im kleinen Küstendorf Mahambo mit durch Korallen geschützen schönem Badestrand, wo wir über Nacht bleiben. Wer nochmals einen Naturpark sehen will: ganz nahe liegt der botanische Garten von Ivaloina samt Zoo, der weltweit unterstützt und begleitet wird. Man kümmert sich um die Fütterung und artgerechte Haltung bedrohter Tiere und es gibt auch ein Auswilderungsprogramm. Man sieht zB Aye Ayes, Baumboas, Tomatenfrösche und mehr als 100 Lemuren von 12 verschiedenen Untergruppen. Der botanische Garten enthält über 75 Spezies von einheimischen und exotischen Pflanzen, und man kann sogar mit einem Boot auf den See fahren.
Es geht
weiter, über Fenaorivo nach Soanierana. Von hier aus nehmen wir ein Boot zur
Insel Nosy Boraha, auch Sainte Marie genannt. Der Aufenthalt auf dieser
kleinen Insel wäre allein schon einen Reise wert. Sie vereinigt alle
Klischees einer Tropenidylle und ist dabei weniger besucht als die
bekanntere Insel Nosy Be. St. Marie ist 57 km lang und liegt nur 8 km von
der Küste entfernt. Zwischen den Dörfern findet sich viel landwirtschaftlich
genutztes Gebiet. Auf den kleinen, bis 100 m hohen Hügeln wachsen alle
möglichen tropischen Früchte und Kaffee, Kakao, Vanille, Gewürznelken… und
es gibt viele Bäche, in denen man auch baden kann. Oder wir besuchen dazu
einen der kilometerlangen unberührten Strände oder eine kleine Bucht.
Sehr
wahrscheinlich fliegen wir von hier zurück nach Tana, verbringen noch einen
Tag in der Hauptstadt, als Puffer vor dem Rückflug. Ich möchte auf jeden
Fall wieder zum großen gedeckten Markt, da haben wir das letzte Mal recht
intensiv eingekauft, von schönen farbigen Tischsets aus einem bastartigen
material über Taschen und Hornprodukte. Wer dazu eine Alternative will: man
kann rund um Tana einige schöne Ausflüge machen. Welche Kosten kommen auf uns zu bei 14 Tagen Reise?
Bei der
langen Variante 23 Tage werden wir ca. 3000€ brauchen.
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