Von Marrakesch bis in die Wüste. 25.2. - 10.3. 2012.           

 

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Eine Reise nach Marokko ist eine Reise in meine zweite Heimat, so empfinde ich es jedenfalls. Sie ist geprägt von vielen Begegnungen mit Leuten, die ich in Dörfern und Wüste schon sehr lange kenne. Schwerpunkte sind Marrakesch zu Beginn, dann der Aufenthalt in Berberdörfern und natürlich die Wüste, wo wir am meisten Zeit verbringen werden.

Am Samstag, 25.2. treffen wir am Flughafen Marrakesch ein. Die erste Fahrt mit dem Taxi führt uns an den Stadtmauern vorbei Richtung Altstadt. Für die Wahl des Hotels spricht die hervorragende Lage in Gehdistanz zum berühmten Platz Djemaa El Fna. Ein Rundgang wird sich, wer will, noch ausgehen. Der Platz wird uns sicher rasch in seinen Bann ziehen. Um Gaukler, Märchenerzähler, Artisten, um Musikanten, Feuerschlucker und Heiler bilden sich größere oder kleinere Kreise von Interessierten, und es überrascht beinahe, dass wir Touristen hier deutlich in der Minderzahl sind. Der Djemaa El Fna war und ist ein Unterhaltungsforum für die einheimische Bevölkerung. Wenn die Schlangenbeschwörer bei Sonnenuntergang den Platz verlassen, werden täglich die vielen Garküchen aufgestellt und spät in der Nacht wieder abgebaut - beides ein Schauspiel für sich. Sie bieten von Suppen bis gekochten Lammkopf alles mögliche, gutes und preiswertes Essen in riesiger Auswahl. In einer Ecke finden wir Tische mit heißem Gewürztee, den es nur hier gibt – und in Indien. Rundum Buden mit hoch aufgehäuften Orangenbergen für frischen Orangensaft, sie gehören zum typischen Bild. Gleich daneben kann man sich mit herrlichen Datteln erster Qualität eindecken, mit getrockneten Marillen, unterschiedlichen Nüssen. Oder man bestellt bei den Heilern ein Amulett, das dem schmerzenden Knie auf die Sprünge helfen wird, dem Herz oder überhaupt dem Lebensglück.

Sonntag. Natürlich lockt die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und den unzähligen Geschäften. Es gehört mit zu den schönen Erlebnissen in Marrakesch, sich hier einfach treiben zu lassen. Da wird von dem besonders aromatischen Zimt gekauft, dort ein Paar der typischen marokkanischen Slippers probiert. Sehen, hören, riechen. Und irgendwann hat man bestimmt die Orientierung verloren. So oft war ich schon hier, aber immer noch finde ich ohne Nachfragen nicht die Richtung raus, retour zum Platz, zum frischen Orangensaft, ins Café. 
Am Vormittag besichtigen wir den Palais de Bahia, lassen uns zurückversetzen in alte Zeiten. Am Nachmittag suchen wir nach all dem Trubel etwas Ruhe im wunderbaren Garten Jardin Majorelle aus, einem Gesamtkunstwerk, geschaffen von einem Maler. Gegen Abend geht es wieder zurück in den Souk – wenn die Lichter angehen und sich in Silber, Messing und Kupfer spiegeln, ist der Eindruck ein wieder völlig anderer, nun wirklich wie aus 1001 Nacht. .

Montag. Nach dem Frühstück treffen wir Mahjoub und Hicham, die für die nächsten Tage unsere Fahrer und Begeiter sein werden. Ich arbeite mit beiden seit über 10 Jahren und schätze sie sehr, nicht zuletzt deshalb, weil sie so zuverlässige und gute Fahrer sind ohne jede Geschwindigkeitslust. Beide sprechen Englisch und Französisch, und so haben wir Menschen mit uns, die uns gerne von ihrem Land erzählen oder Fragen beantworten. Mahjoubs Bruder Mouloud wird dann unser Hausherr in der Wüste sein, zuständig für unseren Aufenthalt und das Kameltrekking dort.
Am Morgen verlassen wir Marrakesch. Zuerst passieren wir einige Ortschaften in der fruchtbaren Haouz-Ebene. Allmählich beginnt den Anstieg auf den 2260 m hohen Paß Tizi n`Tichka. Die Landschaft bietet grandiose Ausblicke in feinabgestimmten Farbenkompositionen. Wir sehen dunkelgraue, weiße, rote, violette, sogar grünliche Felsgebiete, Felder, Flusstäler mit Oleander, Erlen, Pappeln sowie Nadelwälder mit Aleppokiefern. Die Dörfer passen sich ihrer Umgebung an, und man sieht sie oft erst spät: in einem Gebiet mit ockerfarbener Erde sind sie ockerfarben, in einem Gebiet mit grauen Felsen sind sie aus grauem Stein erbaut mit weiß umrandeten Fenstern.

In einem Dorf im Atlasgebirge machen wir halt. Tajib erwartet uns, er wird uns begleiten. Zuerst ein Mittagessen auf der Dachterrasse des kleinen Restaurants. Dann wandern wir ca. eineinhalb Stunden lang weg von der Autostraße in ein abgelegenes Berberdorf, ein wunderschöner Weg mit Blick in die Bergwelt. Wir besuchen Omar. Er ist Muliführer, wenn ich in dieser Gegend ein Mulitrekking mache. Wir trinken Tee bei ihm. Vielleicht gibt es frischgebackenes Brot aus dem Lehmofen, den man vor jedem Haus findet. Ein traditionelles Essen ist Brot, serviert auf einem tiefen Teller und mit flüssiger Butter und Honig übergossen. Dazu werden Walnüsse gereicht, die in jener Gegend gut gedeihen.
Die Steinhäuser des Dorfes scheinen uralt, und das Leben in enger Verbundenheit mit den Tieren und etwas Ackerbau läuft wohl ähnlich ab wie vor Jahrhunderten auch. Die Eindrücke von der sehr einfachen Lebensart hier werden bleiben.
Am Nachmittag geht es wieder retour zur Straße. Es beginnen die b
erühmten Serpentinen hinauf auf den Paß Auf der Südseite des Hohen Atlas passieren wir bald einige stark verschachtelte Ortschaften mit in- und übereinandergebauten Häusern, und wir sehen die ersten Kasbahs (Lehmburgen). Wir folgen einem Flusslauf und genießen weiterhin herrliche Ausblicke auf die Gebirgsketten, bis wir schließlich tiefere Gegenden erreichen. Wir wohnen in einem netten Hotel bei Hamid in der Nähe der wohl berühmtesten Kasbah Marokkos, der Kasbah Ait Benhaddou.

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