Tansania  abseits.  28.6.-13.7.2011.

 

 


 

 

 

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Die Wiege der Menschheit sei vielleicht dort gestanden, heißt es. Wie auch immer, heute bietet Tansania viele Gründe zum Verweilen. Wir werden zwei Wochen auf Reisen sein, natürlich nur in einem kleinen Teil des Landes: in dem Gebiet südlich vom Kilimanjaro bis zur Serengeti westlich davon.

Wir kommen am Dienstag abend oder Mittwoch morgen, je nach Abflugort, zum Airport Kilimanjaro, fahren an diesem Tag nicht mehr weit: nach Marangu, einem Dorf am Fuß des Kilimanjaros. Im Hotel mit bröselndem kolonialem Charme treffen wir John, der hier mit seiner Familie wohnt. Ich kenne John seit 9 Jahren. Er wird uns an diesem Tag durchs Dorf begleiten und auch auf eine größere oder kleinere Wanderung rundum, je nach Wunsch und Kondition – und er wird uns sicher auch Malaika vorsingen…. Der Tag bietet Möglichkeit zum Akklimatisieren, wir erholen uns vom Flug, sammeln die ersten fremden Eindrücke. Marangu liegt sehr malerisch zwischen Bauerngehöften mit üppig grünen Gärten mit Bananenpflanzen, Kaffee, Avokadobäumen…und Wäldern, immer wieder gibt es Wasserfälle. Die Ausblicke sind schön, die ersten Fotomotive… Ich habe den ersten Tag hier auch deshalb gewählt, um den Kontrast dieser wuchernden Landschaft zur Savanne deutlich zu machen, in der wir schon zwei Tage später bei den Massais sein werden.

Am Donnerstag gehts zu unserem ersten afrikanischen Markt in einem Dorf in der Nähe: Kochbananen, Stoffe, Plastikschüsseln... John lädt uns in sein Haus zu einem traditionellen Essen ein.

Am Freitag fahren wir ins Massaigebiet, sind dort bis Dienstag Morgen. Vielleicht ist es Dir gar nicht wirklich bewusst, wie außergewöhnlich die Tatsache unseres Aufenthaltes in diesem entlegenen Massaigebiet ist. Denn Massais sagt man zwar nach, dass sie auch geschäftstüchtig seien und gern das touristische Interesse an ihrer Kultur zu Geld machen – aber nur vordergründig. Die besuchten Dörfer sind dann oft Scheindörfer, es wird ständig getanzt, und die bezahlte Oma bring nach Abfahrt der Busse die gemieteten Kinder wieder zu den Eltern, die Boma=Kleindorf wird geschlossen bis zur nächsten Ankunft eines Busses, tausendfach geschehen in Kenia. Und das ist auch gut und verständlich so: die Massais wurden so lange kulturell unterdrückt und in immer unfruchtbarere Gebiete zurückgedrängt, dass sie sich nun gegen alle Seiten zu schützen versuchen. Wie also kommen wir zu diesem Aufenthalt?

Es gibt ein kleines Kulturprogramm, auf das ich vor Jahren durch Zufall gestoßen bin. Es soll sanften Tourismus ermöglichen dort, wo er vom ganzen Dorf oder von der ganzen Gemeinschaft erwünscht ist. Die Touristen zahlen einen Beitrag an die Gemeinschaft, die beschließt, was damit geschieht, zB Kauf von Schulbüchern. Nur zwei der vielen Massaigemeinschaften in Tansania machen hier mit. Übrigens werden wir auch die Buschmänner über dieses Programm besuchen. Wozu die wohl Geld brauchen, wo sie doch autark vom Sammeln und Jagen leben? Ich verrate es jetzt schon: für Tabak, um damit ihre Steinpfeifen zu stopfen…  

Hier, wo wir sind, leben die Massais wirklich, in kleinen traditionellen Bomas. Wir wohnen etwas entfernt davon in einem Holzhaus, das Italiener gespendet haben, und in Zelten auf Holzpodest, mit Betten drin. Man sieht bei den Spaziergängen, wie am frühen Morgen das Vieh hinausgebracht wird. Jüngere Kinder kümmern sich um Schafe und Ziegen, helfen den Müttern beim Wasserholen oder Holzsuchen. Die Gemeinschaft hat in den Neunzigerjahren etwas Besonderes versucht, angeregt durch ein internationales Projekt. Dieses hat festgestellt, dass Kamele in dieser trockenen Gegend eigentlich besser zu halten wären als die traditionellen Rinder, da sie bis 15 Tage ohne Wasser auskommen. Und sie geben ebenso Milch und auch Blut, das den Massai mit Milch vermischt eine wichtiges Nahrungsmittel ist. Zudem konkurrieren sie bezüglich Futter nicht mit Ziegen und Schafen, da sie die Blätter der Bäume fressen. Und zu guter letzt wirkt deren Haltung der Verwüstung der Landschaft entgegen, weil nicht so viele Tiere ständig zu denselben Wasserquellen gehen müssen – je trockener, desto weniger Wasserstellen sind aktiv und desto intensiver wird dort die Gegend abgeweidet. Über Hundert Kamele sind nun in dieser Gemeinschaft, sie alle kehren jeden Nachmittag zum Melken zurück.

Wir machen zwei Besuche in zwei Bomas, immer begleitet von einem Guide. Wir werden unterschiedliche Wanderungen machen oder auch, wer will, ein Kameltrekking. Da unser Guide aus der Gegend stammt, wird er uns viel erzählen über die Pflanzen und wie sie verwendet werden, über Tiere und natürlich über die Kultur der Massais. Das ist wirklich interessant. Man kocht auch für uns – keine Sorge, international, zB weiche Spagetti.

Am Sonntag besuchen wir die katholische Messe. Ich habe die Planung extra so gemacht, dass sich das ausgeht - deshalb fliegen wir nicht an einem Samstag ab. Das Bild ist unglaublich, die Massais in der kleinen Holzkirche, in direktem Austausch mit dem Priester. Am Heimweg besuchen wir den Heiler und, falls wir dort nicht schon waren, die Verkaufsstätte der Massaifrauen. Sie haben in Eigeninitiative einen Raum gebaut und verkaufen dort an die wenigen Besucher ihre Werke, Schmuck etc. An jedem Stück hängt ein Zettel mit dem Namen der Frau, die es gefertigt hat. Tolle Sache! Und auch nicht zu vergleichen mit der Massenware, die man in Arusha bekommt.

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