Im Zug an den Viktoriasee.


 

Es gibt sie, die Zugbegeisterten, die die Welt am liebsten von der Schiene aus kennen lernen - nicht wahr, Georg? Das muss man nicht unbedingt sein, um die Fahrt von Dar es Salaam nach Mwanza zu genießen. Zuerst etwas Zeit in Dar es Salaam, um abzuschalten, anzukommen. Ein Bummel durch die Stadt, bewundern der Kolonialarchitektur, eine Fahrt in die Außenbezirke. Und unbedingt ein Besuch des Fischmarktes, bevor er umzieht in die von Japanern gerade gebaute halle, weg von seiner idyllischen Lage direkt am Meer, wo die wartenden Händlerinnen sitzend Kreise bilden, ausgerüstet mit bunten Plastikkübeln. Ständig kommen Fischerboote hereingefahren, und der Fang wird dann direkt in die Mitte des Kreises auf eine Plastikunterlage geworfen und versteigert.
Dann steht man schließlich am Bahnhof und wartet auf die Abfahrt. Dreimal die Woche ist Abfahrt, am Spätnachmittag. am übernächsten Tag ist man dann am Viktoriasee, wahrscheinlich nicht fahrplanmäßig um 7.30 Uhr, sondern eher wie wir zu Mittag. Macht nichts. Denn es gibt viel zu sehen. Man lehnt sich bequem zurück, im Abteil erster Klasse. Afrikanischer erste Klasse. Es ist kein Luxuszug für Touristen, sondern Beförderungsmittel für Einheimische, und man lernt seine Nachbarn in den anderen Abteilen während der oft langen Haltepausen kennen, den Handelsvertreter etwa oder das indische Ehepaar, das nun am Viktoriasee lebt und die in Bombay studierende Tochter abgeholt hat für einen Urlaubsaufenthalt.
Die unterschiedlichen Landschaften und die vielen Orte, die man durchfährt oder wo der Zug auch hält, je nachdem, fand ich wunderbar beschrieben in einem langen Text, den ich Ihnen bei Interesse gerne zuschicke. Abwechslungsreich ist sie, diese Fahrt quer durchs Land, und man erhält einen Eindruck davon, wie die Leute hier leben. Für sie sind die Zugfahrenden eine Möglichkeit, zu Verdienst zu kommen. Schon lange sind sie darauf eingestellt, die Menschen in der Nähe der Bahnhöfe, sie hatten auch Zeit  genug: schließlich wurde mit dem Bau der ein Meter breiten Bahnspur bereits 1905 begonnen. So findet man Essensstände aufgereiht, schon mit rauchender Holzkohle, bereit zum Grillen, sobald der erste Gast aussteiget. Bei den Bahnhöfen mit kürzeren Pausen wird alles mögliche verkauft, Handwerksprodukte, Obst, Honig aus hoch in den Bäumen hängenden Tonnen - man kann daran ablesen, was die Landwirtschaft in dieser Gegend zu dieser Jahreszeit gerade bietet. Unvergessen der Kauf eines großen Korbes Orangen vom Zugfenster aus - er passte nicht durch die Fensteröffnung.

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