| Im Kathmandutal in Nepal. |
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Sonnhildes Tagebuch über unsere Reise
vom 31.03. – 14.04.
2008 Wir fliegen mit Qatar-Airlines – ein schönes, komfortables Flugzeug der Emirate. Zum Glück ist das Flugzeug spärlich besetzt und viele Leute benützen die mittleren vier Sitze, um sich auszustrecken und zu schlafen. Nach 5-stündigem Nachtflug landen wir in DOHA. Der Morgen graut gerade, aber man kann schon die Küste und das Meer erkennen. Nach 4-stündigem Aufenthalt Weiterflug nach Kathmandu. Jetzt sieht man, dass Doha auf einer Halbinsel liegt, der Flughafen auf Wüstensand gebaut – nahe am Meer. DIENSTAG,
1.4.2008 Er bringt uns ins Hotel im Bezirk Thamel, sehr zentral gelegen, mit einem wunderschönen, sehr gepflegten Garten, wunderschönen Blumen, eine kleine Oase inmitten der Stadt. Wir machen noch einen Spaziergang durch die bevölkerten engen Gassen, wechseln Geld: 1€ = 100 Rupien (herrlich leicht umzurechnen) u. da es zu regnen beginnt, kehren wir um und bekommen noch um 22h ein Abendessen im Hotel. Heinz u. ich essen aus alter Gewohnheit und Vorsicht Gemüsereis. Dann schlafen wir herrlich – leider in getrennten Betten. Die Nacht ist sehr kühl, aber mit Wollsocken und warmem Pyjama kann ich mich „selbst erwärmen“.
MITTWOCH 2.4.2008 Und dann begeben wir uns auf den ersten Stadtrundgang. Die engen Gassen sind von Menschen, Autos, Fahrrädern und Rikschas und Motorrädern bevölkert. Wir gehen zum Chetrapati Chowk – ein Straßenstern mit Brunnenhaus und Marktfrauen rundherum und von hier Richtung Zentrum. Über den Swachapu Ganesch Tempel gelangen wir zur Kathe Simbu Stupa, wo wir die ruhige Atmosphäre abseits des Getümmels genießen. Im dazugehörigen Kloster hören wir die Mönche singen, kleine Mönchbuben schlagen die Gongs, sie wirken auf mich sehr beruhigend. Später erfahre ich, dass das rhythmische Schlagen der Gongs den Herzrhythmus beeinflusst. Rund um die Stupa gibt es Geschäfte mit Ketten u. Schnitzereien, und einige von uns finden schöne Sachen. Über den Tabiti Chawk gelangen wir zum Kathmandu Durbar Square, wo man als Tourist Eintritt bezahlen muss, um in das Zentrum der Altstadt zu gelangen, das aus einem zusammenhängenden Geflecht aus Palästen, Plätzen und Tempeln besteht, das den königlichen Bezirk des Hanuman Dkoka Palastes bildet. Dieser Durbar Bezirk von Kathmandu ist in die Unesco Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Hier reihen sich also Tempel an Tempel, mit vergoldeten Dächern und Türen und reichen Schnitzereien an Fenstern u. Türen. Vom Obergeschoß des Nava Durga Tempels zeigen sich Shiva u. Paravati dem Volk. Gegenüber dem Kathmandap Tempel (der Kathmandu den Namen gab), steigen wir über viele Stufen auf die Dachterrasse eines Restaurants, von wo wir einen guten Blick auf den Tempelbezirk und die umliegende Stadt haben, die von Bergketten umgeben ist. Von hier sieht man auch die Swayambunath Stupa, jenseits des Flusses Vishnumati auf einem Hügel gelegen, zu der wir am Nachmittag kommen. Unsere gemütliche und entspannte Stimmung wird durch eine Demo von Mao-Anhängern gestört, die laut rufend und ihre roten Fahnen schwingend durch die Stadt marschieren . Viele junge Menschen, auch Kinder marschieren mit – die Vorzeichen der Wahlen am 10.4.08 Nach dem Essen streifen wir weiter durch den Tempelbezirk, ersteigen Stufen, um die Schnitzereien besser betrachten zu können, beobachten das Treiben der Menschen und Händler, die hier besonders zahlreich und manchmal auch aufdringlich sind. Eine junge hübsche Bettlerin mit zwei Kindern fällt mir auf. Sie möchte, dass ich 1€ gegen Rupien wechsle. Während ich die Rupien aus der Geldbörse krame, verschwindet sie, ich beeile mich, um ihr das Geld zu geben, rufe sie noch und stecke ihr die Rupien zu. Da erst bemerke ich, dass ein Polizist mit Schlagstock aufgetaucht ist. Sie eilt davon, das kleine Kind kann ihr nicht so schnell folgen und bleibt weinend sitzen. Der Polizist geht zum Kind, da eile ich auch schon hin, spreche beruhigend mit dem Kind und möchte es zur Mutter bringen. Nun traut diese sich herbei und holt das Kind. Ein Erlebnis, das mich sehr traurig und nachdenklich gestimmt hat. Inge
ist mit einem Händler ins Gespräche gekommen, wir gehen mit ihm in ein
Kaffeehaus. Heinz
findet im Geschäft nebenan Schlösser in Tierform – Pferd – Fisch - Löwe.
Mit zwei Taxis fahren wir nach Swayambunath über holprige Straßen mit
unglaublichen Schlaglöchern durch das Fahrrad-Rikscha-Menschengetümmel.
Natürlich kommen die beiden Taxis nicht an der gleichen Stelle an, aber wir
finden uns doch. Die ersten Affen treffen wir, als wir die vielen Stufen zur
Stupa hinaufgehen. Der
Stupa von Swayambunath liegt etwa 3km westlich von Kathmandu auf einem
bewaldeten Hügel und überblickt das ganze Tal. Er ist seit 2000 Jahren eine
der bedeutendsten Stätten des Buddhismus und eines der ältesten Heiligtümer
des Kathmandutales und wurde ebenfalls in die Unesco Liste des
Weltkulturwerkes aufgenommen. Der Name Swayambunath bedeutet: der Herr, der
aus sich selbst entstand. Zwei Taxis bringen uns zum Hotel zurück und wir streifen noch durch die nahegelegene Einkaufsstraße. Hier gibt es einen Northland Shop, in dem man günstig Anoraks bzw. Bergausrüstung kaufen kann. Ein Gewitter lässt uns ins Hotel eilen, der neue Anorak erweist sich als wasserdicht. Ich bin froh, meine müden Füße hochlagern zu können, während Heinz seine Schlösser begutachtet. Zum
Nachtmahl fahren wir mit Rikschas zu einem typischen Newari Restaurant. Es
ist in einem schön restaurierten Haus aus dem 19.Jh. Auf dem Boden liegen
Pölster, davor niedere Tische. Bevor man den Essbereich betritt, muß man die
Schuhe ausziehen. Wir mussten längere Zeit vor dem Restaurant auf Inge u.
Eva warten. Sie hatten einen betrunkenen Rikschafahrer erwischt, die Fahrt
unterbrochen und sind den Rest der Strecke zu Fuß gegangen. Es ist schon ein
komisches Gefühl, von einem Mann durch die Gegend geradelt zu werden.
DONNERSTAG, 3.4.2008 Wir
fahren mit 2 Taxis nach Patan, was „Stadt“ bedeutet oder Lalitpur: „die
schöne Stadt“. Patan liegt auf einem Hochplateau, 7 km südlich von
Kathmandu. Heute bildeen Patan und Kathmandu ein zusammenhängendes
Stadtgebiet, das durch den Bagmati Fluß getrennt ist. Auf einer schönen Dachterrasse essen wir zu Mittag und genießen den Blick auf die Tempel und Dachgärten der Häuser. Wäsche flattert im Wind und liegt zum Trocknen auf den Ziegeldächern. Jedes Haus hat auf dem Dach einen Wasserbehälter. Mitten in der alten Stadt ist eine interessante Wasserstelle: ca. 5 Meter tiefer als das normale Bodenniveau ist ein Steinboden und sind Steinwände, an einer Wand sind 3 Wasserspeier. Frauen und Mädchen stellen ihre Gefäße und Kanister in Reihen hintereinander auf und warten, bis sie an die Reihe kommen, um Wasser zu holen. Die Frauen und Mädchen in ihren bunten Kleidern bieten ein schönes Bild. Wir durchstreifen ein Devotionalengässchen. Heinz kauft zur Stärkung für uns alle kleine süße Bananen, 1 kg 60 Cent. Am
Nachmittag fahren wir mit zwei Taxis zum „Garden of Dreams“ Eine Fahrt
kostet für ca. 7km 150 Rupies = 1,50€. Nach einer Fahrt durch dichtesten
Verkehr auf einer Außenringstraße betreten wir einen englischen Garten,
wohltuende Stille umgibt uns. Es gibt einen Seerosenteich mit Springbrunnen,
schöne gepflegte Gebäude einer Bibliothek und eine Mauer umgeben den Garten.
Pfingstrosen haben kleine Knospen, es blühen gelbe Rosen, Stiefmütterchen,
Petunien, kriechender Günsel, Immergrün, Azaleen. Im Kaiser Cafe fühle ich
mich fast wie in einem Cafe im Belvedere oder in Schönbrunn. Zum Abendessen gehen wir in ein Tibetrestaurant. Zwei Männer überlassen uns liebenswürdigerweise den großen runden Tisch, an dem wir alle Platz haben. Wir essen gut und der rote Rum gibt Anlaß zu Gelächter.
FREITAG, 4.4.2008 Unser
nächstes Ziel ist Pashupatinath. Pashupatinatha, der Meister und Herr aller
Tiere, ist der Schutzgott des Königreiches Nepal. Es ist das bedeutendste
hinduistische Heiligtum, und daher ist der Tempel eine bekannte
Wallfahrtsstätte. Das Ensemble von Pashupatinath wurde von der Unesco in die
Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Pashupatinath liegt 5km östlich von
Kathmandu. Hier durchbricht der von Norden kommende Bagmati ein Bergplateau
in eine Schlucht, die sich nach Süden weitet. In diesem Trichter entstanden
im Laufe der Jahrhunderte dicht gedrängte Heiligtümer. Den inneren Tempelhof dürfen Nicht-Hindus nicht betreten. Von einem großen Tor sieht man in einen umfriedeten Innenhof, in dem ein riesiger vergoldeter Stier steht. Wir können nur das Hinterteil mit den großen Hoden sehen – Symbol für Fruchtbarkeit. Hier tut sich meine christliche Seele schwer, aber ich weiß zu wenig über den Hinduismus, um hier alles zu verstehen. Nun gehen wir auf die andere Flusseite des Bagmati und vor dem Hain auf dem Plateau am Ostufer haben wir einen schönen Blick auf die Tempel und das enge Flusstal. Wir
setzen die Fahrt nach Dhulikel, unserem Ziel für die kommenden Tage, fort.
Wir fahren durch viele Dörfer, fruchtbare Felder und an vielen
Ziegelfabriken vorbei. Eine Hügelkette schließt das breite fruchtbare Tal
ab. In vielen Kehren geht es bergauf. In einer dieser Kehren zweigt ein Weg
ab und führt teils steil bergauf, teils über Stiegen zu einem Restaurant.
Ein Gewitter ist im Anzug, und wir müssen den schönen Sitzplatz im Garten
wegen des Regens verlassen und ins Haus gehen. Es wird immer kühler, unsere
Jacken sind im Bus und so entscheiden Maria und ich, den Abstieg zum Auto in
Kauf zu nehmen, um nicht mehr zu frieren. Ein Stück geht es noch bergauf – es ist eine richtige Passtrasse und dann bergab in ein weiteres Tal, Banepa ist hier der nächste große Ort an der Straße und dann noch einmal bergauf nach Dhulikhel. Dhulikhel liegt auf der Passhöhe und war einst eine wichtige Handelsstadt auf dem Weg Tibet – Indien. Usere Unterkunft liegt etwas unterhalb des Passes mit wunderschönem Blick ins Tal, ins Land und auf die Bergwelt. Unsere Lodge ist eine schöne Anlage, von einem Dänen geplant. Sie besteht aus einem Haupthaus mit der Rezeption, Aufenthaltsräumen, die gemütliche Sitzgruppen haben, großem Gastraum, Küche und einer großen Terrasse, die am Morgen sonnenbeschienen ist und von wo man bei klarem Wetter den Himalaya sieht, ein wunderbarer Frühstücksplatz. Über Stiegen erreicht man die Gästehäuser. Die Zimmer sind sehr gemütlich und das Beste sind die warmen Daunentuchenten und natürlich der Blick vom Balkon auf die Kette des Himalaya, wenn es klar ist! Außerdem ist das Essen gut und die Kellner sehr freundlich, Inge hat wieder einmal gut gewählt, wir fühlen uns sehr wohl. Heinz
erzählt mir, er hat auf der Herfahrt einen Burschen gesehen, der auf seinem
Fahrrad ca. 1,20 m hoch Eiertableaus transportiert hat, mit geschätzten 1000
Eiern.
SAMSTAG, 5.4.2008 Nach
dem Frühstück steht eine Wanderung durch den Ort und ein Spaziergang durch
die Felder auf dem Programm. Schöne Schnitzereien an Türen, Fenstern und den
Dachüberständen zeugen vom ehemaligen Reichtum dieses Ortes, der an der
Handelsstraße Tibet – Indien liegt. Wir beobachten Frauen beim Wäschewaschen
an öffentlichen Wasserstellen, manche waschen sich die Haare mit diesem
kalten Wasser. In den Straßen fällt uns auf, dass immer wieder in der
Pflasterung Steine besonders bearbeitet sind z.B. blütenförmig – mit buntem
Pulver gefärbt, mit kleinen Blüten geschmückt (z.B. Ringelblumenblüten oder
Kapuzinerkresseblüten) und als heilige Stätten verehrt werden. Im „Royal Guest House“ essen wir zu Mittag. Der Name ist sehr vielversprechend – die Aussicht von der Dachterrasse ist wirklich königlich und die Blumen in Töpfen wunderschön. Wir sind es schon gewohnt, dass das Cola und das Gemüse erst eingekauft werden, aber das spielt keine Rolle, wir sind auf Urlaub. Den
Nachmittag verbringen wir mit Lesen auf der schönen Terrasse unserer Lodge
und mit Warten auf warmes Wasser, um zu duschen und die Haare zu waschen. In
dieser Nacht bekommt Heinz Durchfall.
SONNTAG, 6.4.2008 Wir wandern wieder durchs Dorf, haben einen guten Blick auf das schöne Krankenhaus, das laut Inge in den letzten Jahren sehr gewachsen ist und kommen auf einer Lehmstraße durch Felder und Dörfer. Es beginnt zu regnen, und wir stehen in einer „Teestube“ unter. Sie besteht aus einem Raum, in den eine Verkaufsbudel mit Gaskocher steht, ein paar schmudeligen Gläsern mit Zuckerln, einem Regal mit ein paar Kekspackerln, ein paar Bänken und einem Tisch. Eine Frau, die mir zuerst alt erscheint, es dann aber doch nicht ist, kocht für uns Tee. Sie wäscht Alubecher beim Brunnen und wir trinken getrost den heißen Tee, der uns gut schmeckt. Als es zu regnen aufhört, wandern wir weiter. An einer Hühnerfarm vorbei geht es eine Straße in Kehren bergauf. Wir sehen rotblühende Rhododendren-Büsche und gelbe Brombeeren, die gut schmecken, ein gepflegtes, schön gefärbeltes Bauernhaus. Am
höchsten Punkt der Landstraße liegt ein Dorf und Eva entdeckt eine Frau, die
mindestens 10 Ohrringerl die ganze Ohrmuschel hinauf eingezogen hat, und
fotografiert sie ausgiebig. Wir kommen an einer Schule vorbei, Kinder
begleiten uns immer wieder ein Stück des Weges, der durch einen Föhrenwald
führt. Vor den Häusern blühen immer wieder Amaryllis. In der Nähe von
Panauti hütet ein Hirte eine Ziegenherde. Wir kommen an einer technischen
Schule vorbei, die von Franzosen erbaut wurde. Ich gönne mir eine Rast im Bett, da sehe ich plötzlich die sonnenbeschienenen Berge hervorkommen – raus aus dem Bett – Berge schauen! An diesem Abend ist es kalt und ich würde mich beim Essen am liebsten in eine Decke wickeln. Umso wunderbarer die Überraschung, als ich mein Bett öffne und eine Wärmeflasche darin finde. Was für eine liebevolle Fürsorge des Lodgepersonals.
MONTAG, 7.4.2008 Die Häuser und Paläste im Stadtinneren sind wunderschön, reich verziert mit Schnitzereien und zeugen vom ehemaligen Reichtum der Stadt. Wir essen in einem Restaurant, das ehemals ein Tempel war, leider diesmal zu ebener Erde, sodaß wir von den Händlerinnen immer wieder zum Kauf genötigt werden. Auf dem Weg durch die Gassen prägen sich schöne Bilder ein:
Für die bevorstehende Wahl werden Vorbereitungen getroffen. Auf dem Taumadhi Square werden auf den Stufen des 5stöckigen Tempels Fahnen positioniert, eine Sitzgruppe aufgestellt und eine Sprechanlage installiert. Als wir vom Stadtrundgang zurückkommen, ist der Platz voll Menschen und eine Stimme dröhnt durch die Lautsprecher, aber es geht alles ruhig zu. Die Rückfahrt nach Dhulikhel ist problemlos. Inge wird im Bus von einer Englischlehrerin gefragt, warum wir mit dem öffentlichen Bus fahren. Heinz hat den Ruhetag genossen, aber es ist noch nicht besser.
DIENSTAG, 8 .4.2008 Nach langer Wartezeit fahren wir durch das fruchtbare Tal. Weizen, Gerste u. Hafer stehen schon hoch, große Kartoffelfelder blühen gerade. Und dann geht es eine schmale, kurvige Straße bergauf, öfters knapp am Abgrund. Erni empfand die Fahrt höchst abenteuerlich und gefährlich, zumal die Buslenker sehr junge Burschen sind. Aber die Aufregung hat sich gelohnt. Auf dem Bergrücken liegt Changu Narayana. Die landschaftliche Schönheit der Lage, seine Geschichte (das Heiligtum Narayanas – eine Form von Vischnu) besteht seit dem 5.Jhd. und vor allem die hervorragenden frühen Skulpturen machen den Ort zu einer der bedeutendsten Kunststätten des Kathmandu Tales. Das Ensemble wurde als Weltkulturerbe in die Liste der Unesco aufgenommen, und einen Nachbau des Tempels konnte man bei der EXPO in Hannover bewundern. Die Schnitzereien und die Bemalung des Tempels sind wirklich einmalig. Wir
sind gerade die einzigen Touristen, wohltuende Stille umgibt uns. Die
Schönheit des Tempels – die wunderschönen Farben berühren uns zutiefst. Hier
verweilen wir gerne. Ein Mann erklärt uns unaufdringlich die
Kunstgegenstände. Natürlich erstehen wir wieder einige Souvenirs, die auf
dem Aufstiegsweg zum Tempel angeboten werden. Ich erstehe ein
Schaukelpferdchen mit einem etwas unförmigen Kopf und eine Yakglocke mit
schönem Klang. Gerhard, der Kenner, berät mich beim Kauf von CDs für unseren
Sohn, sodaß ich etwas Qualitätvolles mitbringen kann. In
einem Dorf kaufen wir Wasser, diesmal 25 Rupies, in Dhulikhel zahlen wir 15
Rupies. Hier gibt es noch viele Hennen mit Küken in den verschiedensten
Altersstufen, vom kleinen Wuserl bis zu älteren Küken. Die Hähne sind
wunderschön und farbenprächtig. Sie erinnern mich an unsere „Altsteirer
Hähne“. Es gibt aber auch weiße Hähne mit braun-gelben Schwanzfedern. Viele
Kühe weiden das spärliche Gras ab oder knabbern an Büschen. Es gibt
unzählige Kitzlein. Kühe und Büffel stehen bei den Häusern oder werden auf
einer Weide von einem Hirten oder einer Hirtin gehütet, sie sehen alle sehr
mager aus, die Knochen ragen hervor. Heinz meint, das liegt an der Rasse!??? Nach
3stündiger Wanderung kommen wir auf die Hauptstraße. Es wären noch 6km nach
Nargakot. Von Nargakot hätte man bei schönem Wetter eine gute Sicht auf den
Himalaya. Heute ist es diesig und wir verzichten auf den weiteren
Straßenhatsch und bleiben bei einem „Cafe“. Der Besitzer öffnet es für uns,
er hatte es wegen der bevorstehenden Wahl schon geschlossen. Er putzt
staubige Sessel für uns ab und kocht Tee. Häuser: die meisten Häuser sind aus Ziegeln gebaut, sehr viele sind nicht verputzt. Zum Teil sind es schmale, hohe Häuser, 1 od. 2 fensterbreit. Oft ragen noch die tragenden Betonsäulen in den Himmel, eine Vorsorge, um bei Bedarf noch höher bauen zu können. In den Dörfern sind die Häuser meist einstöckig, an den Längsseite, die die Eingangsseite ist, gibt es meistens einen überdeckten Platz, wo die alten Menschen im Schatten sitzen und am Leben des Dorfes od. der Familie teilnehmen können. Viele Häuser haben im Erdgeschoß einen großen fensterlosen Raum, den man mit einem Rolladen schließen kann. Hier kann man ein Geschäft od. eine Imbisstube einrichten.
MITTWOCH, 9.4.2008 Danach wandern wir durch einen Laubwald, in dem viele Stufen zu einem Heiligtum führen. 700 sind schon fertig, die restlichen 300 werden erst gebaut. Ein Glück für uns, so wandern wir auf der Straße weiter, dann einen schmalen Weg durch Gebüsch, der uns zu Eshors Haus führt. In dem einstöckigen, blechgedeckten Haus lebt er mit seinen Eltern, seiner Frau und seinem 3jährigen Sohn. Wir werden freundlich von den Frauen empfangen. Natürlich sind es mehr Frauen und Kinder, die sich das seltene Ereignis nicht entgehen lassen möchten. Die Frauen lachen sehr viel, und es ist eine Freude, sie zu fotografieren. In einem der Zimmer, in dem zwei Betten, ein Tisch mit Fernseher und ein paar Sessel für uns stehen, servieren uns die Frauen köstlichen Gingertee, der sogar Heinz schmeckt. Eshor ist stolz auf seinen kleinen Sohn, der bald in den Kindergarten oder eine Art Vorschule kommt. Mir erscheint er dazu noch zu klein. Er kommt in eine Privatschule, für die man Schulgeld bezahlen muss: einmalig 1.800 Rupien und dann monatlich 400 Rupien. Das sind die Highlight an Inges Reisen: die Kontakte zur Bevölkerung und die Möglichkeiten zu sehen, wie diese Menschen leben. Plötzlich habe ich das Gefühl, ich lerne Nepal kennen, ohne viele Orte zu bereisen. Wir wandern weiter, die alten Pfade und Verbindungswege von Dorf zu Dorf hoch oben am Kamm des Berges und dann steil bergab, bis wir zu dem Dorf kommen, in dem die Vögel aus Horn (mit Messing- u. Metalleinlage) geschnitzt werden. In einem Haus sitzt der Schmied des Dorfes und dengelt Sicheln. Zwei Frauen dreschen Getreide, indem sie ein Bündel nehmen und auf Stein schlagen. Wieder zwei Frauen schneiden Kurkumawurzeln in Stücke, ihre Hände sind ganz gelb. In diesem Ort merken wir, dass wir noch einige Stunden zu gehen hätten, bis wir das Kloster Namobuddha erreichen. Wir würden gerne den Bus nehmen, aber der nächste fährt erst in einer Stunde. So beginnen wir den Aufstieg zu Fuß. Plötzlich ruft uns Eshor zurück. Er hat ein Auto, das von Mönchen gelenkt wurde, aufgehalten, und wir dürfen mitfahren, klettern auf die kleine Ladefläche, sitzen auf kleinen Farbfässern und Koffern, auf dem Boden oder auf der Bordwand. Manche sitzen höchst unbequem, aber nach der Devise besser schlecht sitzen als gut gehen sind wir sehr zufrieden. Wir fahren die schlechteste Straße unseres Lebens. Heinz, der einen guten Ausblick von der Bordwand auf die Straße hat, warnt uns, wenn es besonders arg ist. Trotzdem genieße ich die schöne Landschaft und sehe unerschrocken die steilen Hänge hinunter. Wir werden ja von Mönchen geführt, es kann uns nichts passieren. Auf der Spitze des Berges erstreckt sich das große tibetische Kloster Namobuddha, wunderschön hergerichtet erstrahlt es in bunten, leuchtenden Farben und viel Gold. Man merkt, dass tibetische Klöster viel Geld von der Welt bekommen. Der Mönch wollte kein Geld für die Fahrt nehmen, da der Glaube verlangt, Gutes zu tun und zu helfen, wo immer es möglich ist. Diesmal sind wir in den Genuß der Religionsregeln gekommen und sind dankbar.
Unzählige Gebetsfahnen wehen von den Dächern der Häuser und von den Bäumen.
Die Farben rot, blau, gelb, grün und weiß stehen für die 5 Elemente: Feuer,
Erde, Luft, Wasser u. Himmel. Darauf sind Windpferde und Mantras abgebildet
– „om mani padme hum“. Der Wind soll die Gebete, die Bitten um Gesundheit
und Glück und das Mitgefühl für alle Menschen in die Welt tragen. Wir
verweilen bei dem großen Buddha, hier ist eine wunderbare Atmosphäre. Beim
Abstieg kommen wir zu der Darstellung der Legende, wo Buddha sich einer
Tigerin zum Fraß anbietet, weil er nichts anderes hat, um sie und ihre
Jungen zu nähren. Nach einem steilen Abstieg auf fester lehmiger Erde durch
einen Rhododendronwald kommen wir zu Stupa, der von einem Mann unzählige
Male betend umrundet wird. Hier rasten und essen wir, bevor wir zur
Busstation gehen. Eine Frau mit Zwillingen und einem größeren Mädchen
verkauft hier Getränke in einer einfachen Hütte. Bis der Bus kommt, haben
wir Zeit zu beobachten und beobachtet zu werden und teilen unsere
Trockenfrüchte mit der Familie. Die
Fahrt zurück nach Dhulikhel, diesmal in einem fast leeren Bus, ist eine
Belastung für unsere Wirbelsäulen sondergleichen. Ich traue mich nur
aufrecht zu sitzen, um die Stöße so gut wie möglich aufzufangen. Die Busse
müssen eine tolle Konstruktion sein, dass sie diese Anforderungen aushalten,
ebenso der Lenker!! Obwohl wir nur 2 Stunden gewandert sind, sind wir müde,
verschwitzt und unendlich staubig. Als ich die Hose ausbeutle, steigt eine
Staubwolke auf. Diesmal genieße ich die Dusche ganz besonders.
DONNERSTAG, 10.4.08 – WAHLTAG Wir
treffen uns um 10h mit Herrn Brem Shresta (Mitbesitzer der Lodge) und
Bruder des Herrn Ram Shresta, Arzt und Gründer des Spitals in Dhulikhel. Ram
studierte in Wien Medizin und absolvierte in Vorarlberg sein Praktikum. So
lernte Inge ihn kennen. Mit Hilfe von Vorarlberger Spenden gründete er das
Spital, den Grund schenkten Bauern, die jetzt im Spital arbeiten. Im Laufe
von 15 Jahren hat sich das Spital sehr vergrößert und zählt zu den
modernsten in Nepal. Es ist wunderschön gelegen. Der Blick schweift ins Tal
zu den Feldern und zu den umgebenden Hügeln und Bergen. Auf einer Fotografie
in der Mensa sieht man das Spital und im Hintergrund den schneebedeckten
Himalaya. Solche Fotos können an klaren Tagen entstehen. In der Kantine riecht es köstlich nach einem Currygericht. Wir werden mit Nepalitee bewirtet. In der Kantine ist eine Fotoausstellung „Nepal hinter Draht“, die sehr interessant ist. Man sieht Drahtzäune, Landschaft mit Stromleitungen od. Telefondrähten u.v.m. Ein österreichischer Gärtner hat einen wunderschönen Garten mit Teich im Eingangsbereich angelegt. Blühende Büsche und Blumen verbreiten eine angenehme Atmosphäre. Es ist schön, einen gepflegten Garten zu sehen. Nach
der Besichtigung wandern Erni und ich durch die Felder. Heinz ist an diesem
Tag im Hotel geblieben. Wir genießen die Ruhe, die Weite und das Grün.
Frauen und Mädchen arbeiten in den Feldern, sie sicheln Futter für die Kühe.
Ein Mädchen trägt den Korb auf dem Rücken und wirft das abgesichelte
Grünzeug über den Kopf in den Korb, aber da er schon ziemlich voll ist,
fällt ihr jedes Mal beim Bücken das Gras auf den Kopf. Wir gehen weiter,
denn wir müssen schmunzeln. Andere Mädchen haben rechteckige Tücher so
umgebunden, dass sie einen Sack bilden. Ein Zipfel unter der Achsel, der
andere Zipfel am Rücken, am Hals zusammengebunden, die anderen beiden Zipfel
um die Taille gebunden. Der Stoff ist so lange, dass er am verlängerten
Rücken einen Sack bildet. Die Körbe stehen daneben und werden nach und nach
gefüllt. Wir plaudern mit den Mädchen. Erni zeigt ihnen einen Marienkäfer
und sagt das deutsche Wort langsam und deutlich. Sie nennen uns den
nepalesischen (od. Newarischen ) Namen: lelipold. Eine Erinnerung an
Wolfgangs Kindertage steigt auf, er sagte zu Käfern : lilibit. Ein anderer Teil unserer Gruppe hat sich ein Wahllokal angesehen und war dann noch bei Brem zu einem Imbiß eingeladen. Ich glaube, da ist auch ziemlich viel Alkohol geflossen. Den Nachmittag verbringe ich auf dem Balkon mit lesen, Sudoku lösen, Karten und Tagebuch schreiben. Dabei begleitet mich das Zwitschern der Vögel, das laute, eintönige Quaken eines Frosches, fernes Flugzeuggeräusch und Hubschraubergetöse. Der Blick ins Tal und die Hügelketten ist sehr beruhigend. Am Abend gibt es ein Buffett, und es ist lustig, von den verschiedenen Speisen zu kosten, Suppe, Safranreis, weißer Reis, Gemüsereis, Kartoffeln und Gemüsenudeln = vegetable Chaomin, gegrilltes Huhn und verschiedene köstliche Gemüsgerichte und Saucen, Äpfel im Schlafrock und Schokopudding. Zum Abschluß gönnen sich Erni, Eva u. Gerhard roten Rum (Kukri Rum), der köstlich duftet. Heinz ist immer noch vorsichtig mit der Essenswahl. Inge bekam heute Fieber, eine Verkühlung vom Zug im Bus oder ein Sonnenstich? Hoffentlich erholt sie sich bald. FREITAG, 11.4.08 Mr. Brem hat uns zu einem Picknick eingeladen. Leider kann Inge wegen des Fiebers nicht mitfahren. Mr. Brem hat einen Verkehrsbus gechartert, um alle unterzubringen. Sein Bruder (Bürgermeister), die Ehefrauen und die jugendlichen Kinder sind mit von der Partie, ebenso die Frau des Kochs und Frauen von anderen Angestellten und der dänische Architekt mit seiner Frau. Das Essen, die Getränke, Töpfe und Geschirr und Gläser werden in einem Auto extra gebracht. Wir fahren auf der kurvigen Paßstrasse bergab ins Tal, das wir von unserem Balkon sehen, durch Ortschaften, in denen wunderschöne Bougainvillea u. Rosen blühen. Je tiefer wir kommen, desto weiter im Wachstum sind Gemüse und Getreide. Paradeiser und Mais stehen schon sehr hoch, das Getreide ist gelb und wächst oft auf ganz schmalen Terrassen, manchmal nur 1m breit. Wir glauben, schon auf der Talsohle zu sein, aber dann geht es noch einmal abwärts und das Tal wird so schmal, dass nur noch der Fluss und die Straße Platz haben. An den steilen Wänden hängen Tropfsteine. Dann kommen wir durch ein Gebiet, in dem die Erde ganz rot ist. Im Ort Dhumarghat zweigen wir in ein anderes Tal Richtung Norden und fahren neben dem breiten Flussbett des Sukozi Rivers flussaufwärts. Wir durchfahren das Sundhupalchock Resort und kommen in ein weiteres Flusstal, in dem viele Schotterwerke sind. Frauen und Männer zerklopfen Steine, sieben Sand. Sie haben sich aus Ästen mit Blättern oder aus Säcken Sonnenschutz gebaut und wohnen in ärmlichen Hütten am Straßenrand. Viele Lastautos warten, um mit Sand oder Schotter beladen zu werden. Wir
erreichen die Ortschaft Sukute 30 km Nöstl. von Dhulikhel gelegen. Das
Sukute Beach Adventure Camp ist das Ziel unseres Ausfluges. Es ist in einem
gepflegten Garten gelegen, mit blühenden Bougainvillea, einem Swimmingpool,
kleinen Hütten zum Rasten oder Schlafen, einen großen offenen Ständerbau, in
dem sich ein Restaurant mit Billardtisch befindet und Toiletteanlagen. Zur
Begrüßung gibt es Bier und Coke. Die Jugendlichen schwimmen im Swimmingpool
oder versuchen es zumindest. Als das Küchenpersonal mit Töpfen und Essen
angekommen ist, begibt sich die ganze Gesellschaft an das breite Flussufer,
in dem es wunderschöne runde Steine gibt. Gebratene Fische und Mangos werden herumgereicht und etwas später gibt es gebratenen Sauschädel – riecht zwar gut, sieht aber für mich eher grauslich aus – scheint aber eine Delikatesse zu sein, denn Männer, Frauen und Kinder schmausen genüsslich. Heinz und ich rasten im Schatten des Gartens, Eva hat es sich unter einer Bananenstaude gemütlich gemacht. Bärbel, die sehr gut englisch spricht, unterhält sich mit dem dänischen Ehepaar, das schon 20 Jahre in Kathmandu lebt. In der Zwischenzeit wird gekocht und gebraten, und manchmal rührt der „Patriarch“ unter lautem Gelächter der Jugend in den Kesseln um. Die Teller werden am Fluß gewaschen und literweise Bier ausgeschenkt sowie Cola und Mangosaft, die im Fluß gekühlt worden sind. Als Reis und Dhal fertig sind, nähern wir uns verschämt dem Lagerplatz – unser Hunger ist in der Zwischenzeit ziemlich angewachsen, und wir dürfen uns von den köstlichen Gerichten nehmen. Der Koch und die Frauen gehen herum und reichen rohes, geschnittenes Gemüse sowie pikante Saucen. Darauf verzichten wir aus Angst vor Durchfall, aber beim Eis können Heinz, Gerhard und ich nicht widerstehen. Es hat uns jedenfalls nicht geschadet. In der
Zwischenzeit haben wir Zaungäste bekommen. Kinder haben sich in einiger
Entfernung niedergelassen und uns bei der Schlemmerei beobachtet. Ich muß
gestehen, mir war nicht wohl dabei. Aber sie haben dann doch noch ordentlich
große Portionen zu essen bekommen. Als sie merkten, dass Essen für sie
vorbereitet wurde, liefen sie zum Fluß, um sich die Hände zu waschen und
danach wuschen sie die Teller im Fluß. Ich glaube, alle von unserer Gruppe
fühlten sich wohl, als die Kinder satt waren. Wieder liegen Wärmeflaschen in unseren Betten – Maria musste Socken anziehen, weil sie so heiß waren...
SAMSTAG, 12.4.08 Auf ganz schmalen Steigen entlang der Terrassen wandern wir weiter. Auf manchen Terrassen liegt haufenweise der Dünger, so wie ihn Frauen in ihren Körben herbeitragen. An den Wegrändern wachsen Wandelröschen und wilde Paradeiser. Agaven und Kakteen liegen ausgerissen neben den Wegen. An einem schönen Aussichtspunkt rasten wir. In dieses Dorf ging Eshor zur Wahl, seine Frau musste 15km weit fahren. Es ist wie zu Christi Geburt, jeder muss in sein Geburtsdorf oder dorthin, wo er gemeldet ist. Deshalb herrschte vor und nach der Wahl so viel Verkehr. Die
Kühe und Ziegen fressen Bananen- u. Orangenschalen. Wir kommen in ein Dorf, und plötzlich stehen wir auf der Paßstrasse, die wir tagszuvor gefahren sind. Eshor führt uns ins „Dhulikhel Montain Resort“ zum Mittagessen. Wir sind total überrascht. Ich dachte, er würde uns in ein bescheidenes Restaurant führen und jetzt sind wir in einem „englischen Nobelrestaurant“ gelandet. Wunderschöne Nelkenrabatten führen entlang der Wege, auf den Terrassen stehen unzählige Blumentöpfe mit einfachen und gefüllten Petunien und Pelargonien. In einem Beet blühen schon Sonnenblumen, Mohn- u. Kornblumen, Bartnelken u.v.m. Hier wächst Hibiskus mit ungewöhnlich großen Blüten und prächtige Bougainvillea. Diese Lodge besteht aus vielen einstöckigen, strohgedeckten Häusern. Ein schillernder kleiner blauer Vogel fliegt unters Dach zu seinem Nest. Kellner mit weißen Jacken und schwarzen Hosen servieren sehr vornehm. Wir sitzen auf einer kleinen Terrasse, mit nur einem Tisch, weißes Tischtuch, schönes Geschirr – wir fühlen uns wohl. Heinz bestellt sich ein Cordon bleu und freut sich, „dass seine Zähne wieder einmal etwas zu beißen haben“. Wir freuen uns auf eine besondere Nachspeise, Eis oder Applecrummble, denn auf der Karte gibt es eine große Auswahl. Aber nichts davon gibt es, nur einen trockenen Schokokuchen – leider! Mit dem überfüllten Bus fahren wir die vielen Kehren hinauf nach Dhulikhel. Ein Bub einer gutsituierten Familie fragt mich, warum wir mit dem öffentlichen Bus fahren, Heinz bekommt einen Sitzplatz, weil ein freundlicher Mann seinen Buben auf den Schoß nimmt, ich stehe die kurze Strecke auf Säcken, die im Gang liegen. Ein letztes Mal verabschieden wir uns von Eschor und wünschen ihm viel Glück. Erni hat ihm ihr Schweizer-Taschenmesser geschenkt, das er beglückt betrachtet, er probiert die vielen Funktionen aus. Der Himmel ist schwarz, es beginnt zu regnen. Als wir schon in der Lodge sind, beginnt es zu hageln und ein Geprassel stürzt auf unser Dach. Ich bange um die wunderschönen Blumen in den vielen Blumentöpfen. Am Abend bestellt Gerhard zum Abschied chilenischen Weißwein! Heinz bezahlt einen sensationellen Preis für 9 Tage Unterkunft (mit Wärmeflaschen) und Frühstück 15.000 Rupien – für 2 Pers. = € 150,--!
SONNTAG, 13.4.08 Zum Abschied beschenkt uns der Hotelbesitzer mit Blumensträußchen: Löwenzahn – Ringelblümchen – Stiefmütterchen und Grünlilienblätter. Mir fällt der Abschied schwer von diesem schönen Platz, die Bergkette des Himalaya – das Dach der Welt – hat eine besondere Schwingung und Energie, es war einer meiner Träume, dies zu erleben. Wir fahren zurück nach Kathmandu ins tibetische Nonnenkloster am Kopan Hill, nordöstlich von Kathmandu gelegen. Im Feber dieses Jahres las ich einen Bericht in der Zeitschrift „Welt der Frau“ über die „Roten Nonnen“. Die Nonnen haben beim Bau des Klosters selbst Hand angelegt, und es ist unglaublich, was da entstanden ist und noch weiter entsteht, denn in der Zwischenzeit ist das Kloster, vor allem die Gompa zu klein geworden und ein großer Rohbau steht bereits in nächster Nähe. Eine
Nonne führt uns in die Gompa und eine gute Energie erfüllt uns. Auch hier
steht vorne ein großes Bild des Dalai Lama. Die Mönche, die in der Gompa beten haben, haben Pause und wir dürfen einmal rundherum gehen. Hier sitzen ca. 230 Mönche in Reihen auf dem Boden, die kleinen Buben (ca. 10Jahre) sitzen in den letzten Reihen, jeder hat einen Becher hinter sich stehen (sie dürfen also aufstehen und sich Wasser holen, das in einem Behälter an der Wand steht). Manche drehen sich neugierig um, um die Gäste zu betrachten. Sie haben einen Gebetstext in der Hand, der immer wieder monoton wiederholt wird. In den inneren Reihen sitzen die älteren Mönche, einer davon betet in einer Art Singsang vor. Von der Klosteranlage hatte man einen wunderschönen Blick auf Kathmandu. Um die Mittagszeit kommen wir wieder ins Hotel, wo wir zu Beginn unserer Reise schon 3 Nächte verbrachten. Nach einer Mittagsrast streifen wir noch einmal durch uns bekannte Gassen, um die letzten Rupies auszugeben. In letzter Zeit hatten wir immer wieder gerechnet, was wir noch brauchen (für die Abreise am Flughafen 1.790,-- Rupies) und was wir noch ausgeben dürfen. Am Abend sind wir bei Niru zu Hause eingeladen. Neugierig darauf, wie er wohl wohnen mag, fahren wir ca. ½ Stunde durch teils breite Straßen , dann aber durch enge Gassen auf einen der Hügel von Kathmandu. Das Haus liegt abseits der Straße, man geht zwischen Mauern und Zäunen zu seinem Haus, das, oh große Überraschung, neu und groß ist. Er ist ganz stolz, als wir ihm unsere Bewunderung kundtun und erzählt, dass er es erst vor 6 Monaten fertig gestellt hat und zuvor zu ebener Erde gewohnt hat, wo jetzt sein ausgedehntes Büro mit Computer ist. Er führt uns in einen großen Wohnraum, wo wir an niederen Tischen auf langen Matratzen Platz nehmen. In einem Eckverbau stehen ein Fernseher und Bücher und Fotos der Familie. Wir werden mit Getränken und köstlichen Speisen bewirtet. Es gibt Teigtaschen mit Pommes, dann sind wir schon satt – aber es gibt noch gegrilltes Huhn mit Reis und Gemüse und die aufmerksamen Burschen, ein Sohn und ein Neffe, möchten immer wieder nachgeben. Aber leider geht es nicht mehr. Aber auf die Nachspeise, Früchte mit Joghurt, freuen wir uns doch wieder. Niru setzt sich zu uns, und wir plaudern über seine Österreich-Reisen, über seine Arbeit und seine Familie. Wir freuen uns über diese liebenswürdige, sympathische Familie. Mit 2 Taxis kehren wir ins Hotel zurück. MONTAG, 14.4.08 Nirus Sohn erwartet uns am Morgen und legt jedem von uns einen weißen Seidenschal (Kata) zum Abschied um und bringt uns zum Flughafen. Inges Schmuckeinkäufe haben sich im Gewicht bemerkbar gemacht, aber dann geht doch alles glatt und wir verlassen dieses schöne Land. Eine schöne, abenteuerliche und abwechslungsreiche Reise ist zu Ende. Reich an Eindrücken kehren wir heim. Ein herzliches Danke an Inge, die diese Reise so wunderbar organisiert hat, mit allen Menschen respektvoll und liebevoll umgeht und uns ein Stück der Welt zeigt, von der wir schon lange geträumt haben. D A N K E |