Unsere erste Reise so
weit nach Asien! 6.-21.11.2005
Sonntag 6.11.2005
Flug
nach Frankfurt nach Fahrplan und unsere erste Bewährungsprobe im
Zurechtfinden, denn der Flughafen ist weitläufig und der Meetingpoint
unbekannt. Erst nach Fragen verschiedenster Personen des Flughafenpersonals
auffindbar. Es sind schon fast alle hier, nur Brigitta kommt noch etwas
später. Wir lernen unsere Mitreisenden kennen, sie sind alle sehr sympathisch,
aber wie kann es anders sein; wer mit Inge „einfach unterwegs“
sein will hat wohl eine ähnliche Schwingung.
Das Flugzeug ist unheimlich groß, sogar einstöckig. Kaum vorstellbar, dass
sich ein so schwerer Vogel in die Luft heben kann. Hier sehen wir bereits
die ersten schönen Inderinnen in ihren geschmackvollen Saris, und bekommen
die erste Vorstellung von indischen Essen.
Montag 7.11.2005
Wir
landen um ca. 4.15 nach 7 ½ stündigem Flug in Delhi. Inge heuert 2 Taxis an,
die sie am Flughafen bezahlt (prepaid) und dadurch nicht gleich zu Beginn
übernommen wird. Nach einem Fehlversuch findet der Taxichauffeur das Hotel
YMCA, das anscheinend zu einem christlichen Verein gehört, den Bildern in
der Hotelhalle nach zu schließen. Bis wir ins Bett kommen, ist es 6h Früh,
denn vorher hat es noch ein hin und her gegeben, da in Gabis u. Ernis
Doppelzimmer nur ein Bett war. Inge bekam dafür ein Doppelzimmer ohne Bad,
das sie auch bezahlen musste. Lange konnten wir nicht schlafen, da die
Frühstückszeit im Hotel nur bis 9h angesetzt war. Daher um 8.15 h Frühstück.
Hier lernen wir Gerhard kennen, der schon 2 Wochen Badeurlaub in Goa
verbrachte. Dann stürzen wir uns ins Getümmel von Delhi. Mit TUC – TUC
(Moped zur Beförderung von 3 Pers.) fahren wir zur Railwaystation, um Karten
für die Zugfahrt nach Ajmer zu kaufen. Hier muß Inge schon das erste
mal uns suchen, denn ein TUC – TUC Fahrer hat uns etwas
weiter geführt, als die anderen (sie machen untereinander gerne Wettfahrten,
und schaffen es nicht , hintereinander zu fahren).
Ein
Mann versucht uns woanders zum Bahnkartenkauf zu bringen. (Anscheinend gibt
es private Verkaufsstellen, die natürlich einen höheren Preis verlangen) –
aber Inge bleibt unbeirrt, kauft die Karten am normalen Schalter, was aber
auch schon eine indische Angelegenheit ist, man muss eine Liste mit genauer
Namensangabe ausfüllen, und wieder eine Konfrontation mit ind. Bürokratie,
die wir ja schon im Hotel kennengelernt haben.
In
der Umgebung des Bahnhofs sieht es für meine Begriffe schon sehr slummäßig
aus.
-
Kinder und Frauen betteln.
-
Ein Bub macht sich an
Gerhards Rucksack zu schaffen
-
Garküchen und entlang der
Mauer Andenken aus Ton.
Ein sehr
nettes Paar hilft uns Taxis zu bekommen, da alle Versuche TUC – TUC oder
Taxi anzuheuern an überhöhten Preisen scheiterten. Jeder möchte halt mit
Touristen das Geschäft seines Lebens machen – aber die kennen Inge ja nicht.
Und so kommen wir zur grossen Moschee, auch „Freitags -Moschee“
genannt, da der Freitag für die Muslime der Wochenfeiertag ist.
Hier
überfällt uns u. ganz besonders Heinz der erste Schock. Auf dem Weg zur
Moschee liegen und sitzen verkrüppelte Menschen sonder Zahl, wir haben alle
so etwas noch nicht gesehen und wir versuchen es mit den Gedanken
auszuhalten, dass diese Menschen durch ihre Religion und den Glauben an die
Wiedergeburt dieses Schicksal ertragen.
Über viele Stufen erreichen wir die Moschee. Ohne Schuhe betreten wir den
großen Hof, ca 90 m x 90 m, für 20.000 Gläubige. Die umgebenden Mauern sind
aus rotem Sandstein, wunderschöne Steinarbeiten – Bögen – Säulen mit
Akkantusblättern, von hier aus auch schöner Blick auf das „Rote Fort“.
In der
Mitte des Hofes ein großes Becken für die rituellen Waschungen,die
Gebetskanzel für den Vorbeter ist aus weißem Marmor – eine sehr schöne
Steinmetzarbeit, der Boden, die Wände und die Kuppel der Moschee aus weißem
u. schwarzem Marmor.
Wir sitzen und schauen und beobachten:
Frauen in Saris, viele Kinder und Jugendliche, Familien, die sich auch unter
den Bögen niederlassen, Frauen haben die Füße mit Henna gefärbt, sodass es
aussieht, als ob sie rote Patscherl anhätten.
Die Freitag-Moschee befindet sich in Old-Delhi und wir bekommen nur
ganz am Rande das Basarleben mit:
-–Rikschas – Mopeds – Autos – Hühner – Enten –
Pferde –
– Ein heilloses Durcheinander, was auf
Fahrrädern transportiert wird ist unglaublich: Bettgestelle, Heuballen...
Taxis
bringen uns in ein modernes Einkaufszentrum in New Delhi (Shan Tuschti)
Pavillions sind in einem Park angelegt, hier ist es angenehm ruhig, sehr
schöne Geschäfte und ich erstehe ein sehr schönes Paschnina-Tuch.
Danach
fahren wir mit Taxi in die Nähe unseres Hotels in ein indisches,
vegetarisches Restaurant. Am Nebentisch sitzt ein sehr spirituell
aussehender alter Herr, der uns zulächelt und uns eine Karte mit Gebet gibt.
Neben mir sitzt eine Familie mit 4 Kindern, ich versuch mit dem Mädchen
englisch zu sprechen, was sie sehr freut.
Das Essen ist gut aber scharf, sogar der Limonenreis, den sich Heinz
bestellt hat, ist scharf.
Vor der Toilette gibt es einen Vorraum mit
Waschbecken und einem Schild „no comb“. Anscheinend ist es unhygienisch sich
dort zu frisieren.
Auf der Straßenkreuzung gibt es viele Bettler, kleine Buben tragen ihre noch
kleineren Geschwister, Frauen ihre Kinder; ein Bub spuckt Gerhard auf die
Schuhe, damit er sich die Schuhe putzen lässt, er
spült es demonstrativ mit Wasser weg.
Auf der anderen Straßenseite gibt es ein Einkaufszentrum, das uns Inge
empfiehlt und ich glaube hier findet jeder etwas.
Gegenüber sind kleine Geschäfte, die Ketten, Armbänder und Antiquitäten
anbieten, hier findet Heinz ein Schloß, das in seine Sammlung paßt.
An diesem Abend bin ich schon sehr müde, leider kann ich dann doch nicht gut
schlafen, mich plagt Halsweh und nach der Reihe
haben dann alle Halsschmerzen. Uns plagt der Smog, die ungewohnt schlechte
Luft. Die Nacht war laut, die Stimmen des Muezzin aus Lautsprechern ist die
halbe Nacht zu hören und das Knallen von Feuerwerkskörpern.
Es gibt
für Inge Schwierigkeiten mit der Hotelabrechnung.
Dienstag 8.11.2005
Um 5h
Früh fahren wir mit 2 vorbestellten Taxis zum Bahnhof. Wir sehen die
schlafenden Menschen auf den Gehsteigen. Am Bahnhof herrscht schon reges
Leben, auch hier liegen, sitzen, kauern Menschen auf Matten, Zeitungspapier
od nur so, Decken über den Kopf gezogen.
Der Zug ist für indische Verhältnisse luxurios.
Wir bekommen Tee, Wasser, ein Essen und nochmals Tee. Zuerst fahren wir
durch Slums, Müllhalden. Menschen suchen hier nach Brauchbarem. Dann durch
Dörfer die in ebener Landschaft liegen; Felder die bewässert werden, von
Erdwällen begrenzt und das Wasser halten, immer wieder von hohem Gras
umgeben, das geschnitten wird und zu Garben gebunden. Wir sehen Kühe, Hunde,
Kamele die zweirädrige Karren ziehen, die Erde ist rötlich, dann fahren wir
durch hügelige Landschaft, später werden es niedere steinige und felsige
Berge, auf denen hin und wieder eine Moschee od. ein Tempel zu sehen ist;
dann wieder steppenartige Landschaft.
Frauen haben auch auf den Feldern Saris an, es ist eine schöne
Farbkomposition – orange Saris zur braunen Erde.
Kleine Bergketten durchziehen immer wieder die Landschaft. Steppen u. Felder
lösen sich ab. Ich sehe immer wieder hohe Schlote, sie gehören zu
Ziegeleien, die Ziegel trocknen in der Sonne.
Gabi
ist bei uns im Abteil. Ihr wird sehr übel, sie wird immer stiller. Sie nimmt
die Tropfen, die mir Fr. Haider für die Reise mitgegeben hat, schon mit dem
Hinweis, dass sie auch andere Mitreisende nehmen können – und sie helfen
wirklich, als wir aussteigen geht es Gabi schon besser.
7
Stunden hat die Fahrt von Delhi nach Ajmer gebraucht.
In
Ajmer angelangt fahren wir mit Taxi zum Hotel Regency
Hier
ist gerade das Jahresfest des Heiligen Kliwaja in der Dargarh Moschee. (Ursfest)
Viele Menschen strömen durch die Gassen und in den Bezirk der Moschee. Wir
lassen die Schuhe heraußen stehen (Heinz bekommt seine Schuhe mit einem
Griff des Schuhwärters, er merkt sich die Gesichter, eine unglaubliche
Leistung bei diesen Menschenmassen)
Schön
gekleidete Familien bringen Blumenkörbe und Tagetesketten als Opfergaben. In
den flachen Körben sind Rosen u. Tagetes wunderschön angeordnet, das läßt
den Sinn der Menschen für Schönheit erkennen. Rechts und links neben dem
Eingang stehen riesige Kessel mit 2m Durchmesser . Hier wird Reis für die
Armen gekocht. (400 und 250 kg Reis) Über die Kessel sind Netze gebreitet,
in die man Geld für die Armen werden kann.
Der
Heilige wird sowohl von den Moslems als auch von den Hindus verehrt, da er
sich für Verständnis und Toleranz dieser beiden Religionen einsetzte.
Tausende Menschen strömen in den inneren weitläufigen Bezirk der Moschee. Im
Inneren lagern Familien auf Decken und beten.
Wir
stellen und setzten uns abseits an eine Wand und beobachten, aber auch wir
werden beobachtet. Ein Vater bringt seinen kleinen Sohn, der mit einer
orangen Blumenkette geschmückt ist, zu uns, zeigt ihn uns und möchte, dass
wir ihn fotografieren.
Jugendliche nähern sich uns, wollen mit uns sprechen, Ich habe Augenkontakt
zu kleinen Mädchen, die verschämt zu mir blicken. Mütter wollen, dass wir
ihre Kinder bewundern und freuen sich über unser Lächeln.
Es
riecht wunderbar nach Rosen und Räucherstäbchen.
Affen
klettern im Baum unter dem wir stehen, Spatzen tschilpen.
Plötzlich stehen alle auf, es ist als ob ein Oberpriester einzieht, alle
sind andächtig. Auch wir erheben uns, wir wollen uns so gut wie möglich
anpassen und kein Aufsehen erregen. Dann sagte uns ein junger Mann, wann wir
uns wieder setzten können. Heinz fühlt sich hier nicht willkommen. Er kennt
das Gefühl vom Berg Athos.
Dort
ist zwar auch eine christliche Religion, aber es gibt Mönche die sagen:
Orthodox gut – Katholik nix gut.
Und
so steht er mit dem Rücken an der Wand, um sich vor unliebsamen Blicken zu
schützen. Wenn es unliebsame Blicke gibt, dann nur von einer bestimmten
Männerschicht, die meisten Menschen blicken uns freundlich an.
Außerhalb des Moscheebezirkes gehen wir durch enge Gäßchen, schieben uns,
werden geschoben. Männer auf Mopeds u. Motorräder bahnen sich einen Weg
durch die Menge, Männer und Frauen betteln, Heinz kauft einer alten Frau
Süßigkeiten, auf die sie zeigt. Wir kaufen Schuhe und Ketten, Inge gleich
soviel, dass sie eine Tasche dazukaufen muß.
Heinz
fällt beim Beobachten eines Bonbonierendiebes in den Kanal, der rechts und
links des Gäßchen das Abwasser ableitet. So muß es auch bei uns im
Mittelalter und später gewesen sein.
Leider ist die Batterie meines Fotoapparates leer, ich kann mache schönen
Bilder nicht einfangen:
-
Kühe zwischen Auto u. Motorräder
-
Frauen in bunten Saris
-
Junge Männer händchenhaltend
-
Schöne alte Männer und Frauen in
ihrer Würde des Alters
-
Viele kleine bettelnde Kinder
-
Frauen am Boden hockend vor ihren
angebotenen Gemüsewaren.
Heinz
hat eine liebe Art entwickelt, die bettelnden Kinder loszuwerden. Er gibt
ihnen eine Münze in die Hand, dreht sie um und gibt ihnen einen leichten
Schubs. Lachend laufen sie dann davon.
Mittwoch 9.11.2005
Das
Geschimpfe von Streifenhörnchen vor unserem Hotelfenster weckt uns auf.
Vormittag gehen wir wieder Richtung Moschee. Das Gedränge ist unverändert.
So beschließen wir zu Adai Din ka Jhopra-Moschee
Aus
dem 11. Jh. zu gehen. 300 m über der Stadt gelegen, aus den Resten eines
Jaintempels erbaut. Besonders schön ist die 7-bögige Fassade mit
Schriftzeichen und Ornamenten verziert, ein frühes Beispiel indo-arischen
Baustils.
Hier
sind wir begehrte Fotomodelle. Familien, Männer und Kinder möchten mit uns
fotografiert werden. Väter zeigen ihre Kinder, wollen, dass wir sie
berühren, ihnen die Hände schütteln. Es wird ganz schön anstrengend und die
Filme schwinden dahin. Auf den Stufen zu dem Tempel sitzen re. u. links
Bettler.
Wir
spazieren dann noch in ein Tal hinein, an der Schule vorbei, wo wir Kindern
in ihren Schuluniformen begegnen, die uns neugierig anschauen. Hier sehen
wir Buben bei einem Spiel zu. Ein zu beiden Seiten zugespitztes, ca. 15 cm
langes Holz wird mit einem Holzstecken angeschlagen, springt in die Höhe und
wird dann mit dem Stecken weit geworfen.
Vor dem
Mittagessen flüchten wir uns vor dem Rummel in eine Saftbar, nehmen das
Mittagessen im Hotel und halten kurze Rast.
In der
Hauptstrasse zur Moschee haben wir Puppengeschirr gekauft, der Verkäufer
verweist die Einheimischen zu warten, er wird ihnen wohl einen anderen Preis
machen. Inge sieht sich nach Leinen um, das ballenweise angeboten wird. Sie
findet hier schwarzes dickes Garn, das sie für ihre Ketten braucht.
Am
Nachmittag gehen wir zum Nasijan Tempel, der aus rotem Sandstein
gefertigt ist. Hier sieht man ein vergoldetes Modell einer jainistischen
Idealwelt.
Wir
kommen dabei durch ein Gässchen, das eine Müllhalde ist, Schweine mit Ferkel
wühlen dort herum, Kühe u. Kälber liegen am Rand, aber auch Menschen und
Kinder.
-
der Verkehr ist unglaublich, es hupt und tutet
-
Mopeds fahren re u. links um uns herum
-
Ein Verkehrsstau nur mit Mopeds
-
Heinz tritt in eine Kuhflade, ob das Glück
bringt?
Abends
zum Sonnenuntergang gehen wir zum Ana Sagar – der kleine See, im 12. Jh.
durch Aufstauung des Luni Flusses entstanden. Durch einen Park gelangen wir
dorthin. Viele Menschen spazieren in der Abendsonne, man kann hier
Bootfahren.
Es ist
ein Volksfest mit Riesenrad und Autodrom, Luftballonverkäufer
Wir
sehen eine Schar fliegende Flamingos, die in das Schilf des Sees einfallen;
leider kann ich sie nicht sehen, unser gutes Nachtglas hätte uns da gute
Dienste geleistet. Sie fliegen in der Formation der Wildgänse gestreckter
Hals – lange Beine ein V-bildend.
Heinz
sieht immer wieder Smaragdspinte, grüne Vögel, die wir schon aus Ägypten
kennen.
Auf der
sehr breiten Staumauer sind Marmorpavillons erbaut worden, die Schatten
spenden, auch hier werden wir beobachtet und Familien möchten mit uns
fotografiert werden.
Hier ist
die Flaniermeile von Ajmer.
Solange
es noch hell ist besteigen wir über Stufen einen Hügel auf dem ein rosa
gefärbelter kleiner Tempel steht, der dem Elefantengott geweiht ist. Beim
Betreten läuten Burschen die Glocke, sie soll die Gebete zu diesem Gott
erheben oder soll er auf sie aufmerksam gemacht werden, denn der laute
Glockenton kann ihn aus seiner Beschaulichkeit wecken?
Schon im
Finsteren kommen wir zu den Ghats (Stufen) des Sees, wo sich Hindus den
rituellen Waschungen unterziehen.
Plötzlich sind wir von einigen Kindern umgeben. Anne hat noch eine Tafel
Schokolade, die sie einem in die Hand drückt. Als sie die vielen Kinder
sieht, sie haben sich blitzschnell vermehrt, nimmt sie noch einmal die
Schokolade und teilt sie in kleine Stücke. Sie hat den Überraschungseffekt
ausgenützt – alle sind zufrieden.
Wir
kehren in die Stadt zurück. Menschen bereiten ihre Nachtlager im Freien vor.
Ein Mann breitet unter einem Baum eine Plastikplane aus und legt darauf
seine Decke. Er bezieht wohl für diese Nacht hier seine Wohnung.
In einem
heimischen Gasthaus nehmen wir das Abendessen ein. Jeder bekommt diesmal,
was er bestellt hat. Hier kann man sich nur beim Eingang die Hände waschen.
Das Klo ist weit entfernt über die breite Straße und wenig empfehlenswert.
Donnerstag, 10.11.05
Mit
sehr schönen Taxis fahren wir nach Pushkar. Die Straße führt durch eine
bergige Landschaft, über Serpentinen erreichen wir einen Paß. Affen hocken
amStraßenrand. Auf der Strecke müssen wir Maut bezahlen. Inge hat mit dem
Hotelbesitzer telefonisch Kontakt aufgenommen. Er erwartet uns mit seinem
Moped am Beginn des Ortes. Das Gepäck wird auf kleine zweiachsige flache
Karren geladen und durch enge Gäßchen zum Hotel gebracht. Auf dem Hinweg
beobachete ich,dass einer Kuh geopfert wurde,
ihr
wurde Essen auf einem Stück Papier hingelegt.
Im Hotel
Paramount wurden wir sehr herzlich empfangen, Inge ist hier schon ein
bekannter Gast. Wir setzen uns auf die schöne Dachterasse, von wo man einen
Blick über Pushkar, die Berge und den See hat, und trinken Ananassaft.
Das
Hotel ist wie eine Burg an den Berg gebaut, verschachtelt, mehrstöckig mit
verschieden großen und kleinen Terrassen. Die Zimmer sind sparsam, aber man
bekommt alles was man braucht. Der Chef, bzw. das Brüderpaar ist sehr
zuvorkommend.
Wir
beschließen einen Rundgang durch den Ort und rund um den See zu machen. Wir
streifen durch enge Gassen, sehen viele schöne Häuser die zu Tempeln führen;
Marktstände säumen die Straßen, in denen es wegen des großen Brahmafestes
wie auf einem Jahrmarkt zugeht.
Inge
zeigt uns Fotoalben mit handgeschöpftem Papier und ich freue mich, dass ich
Geschenke für meine 2 jungen Männer zu Hause finde.
Unterwegs schenken uns Männer Tagetesblüten, um sie im See zu opfern.
Heinz
bekommt hier sogar eine Batterie für meinen Fotoapparat.
Nach
großem Getümmel erreichen wir den See, setzen uns auf die obersten Stufen
die in den See führen und beobachten Männer und Buben die im See baden, auch
Mädchen steigen bis zu den Knien ins Wasser.
Eine
Brücke führt über den Abfluß des kleinen Sees, ohne Schuhe überschreiten wir
sie, beobachten ¾ m lange Fische und Schildkröten mit einem Durchmesser von
30 cm im grünen, algigen Wasser. Das Wasser erweckt keine Badesehnsüchte in
mir, aber die Gläubigen nehmen sogar einen Schluck bei ihren rituellen
Waschungen.
Ein
breiter, steingepflasteter Weg führt hier den See entlang. An der Steinmauer
sitzen und liegen Sadhus – heilige Männer – spärlich bekleidet, mit den
langen schönen Ketten, mit der Haschpfeife – die von Hand zu Hand geht.
Hier
liegt ein wunderschönes Restaurant mit Blick auf den See und die schönen
weißen Tempelanlagen und die Ghats. An manchen Ghats herrscht großes
Gedränge,manche sind fast leer – je nachdem wie beliebt ein Gott ist, dem
sie geweiht sind.
Das
Essen schmeckt hier wunderbar, ich habe vorsichtigerweise Kashmiri Pulao
(Reis mit Trockenobst, Bananan und Nüssen)bestellt
und wir kosten Ingwer-Lemon-Tee (Ginger-lemon-tea) der köstlich schmeckt,
eine willkommene Abwechslung zu Schwarztee und Cola.
Ein
Sadhu winkt Heinz zu, er sitzt an den Stufen, Heinz geht zu ihm hin, muß
sich die Schuhe vor seiner Matte ausziehen und darf sich dann ans Feuer
setzen (Heinz, der so schwer am Boden sitzen kann!) Der Sadhu segnet ihn,
zeigt ihm Fotos aus seiner Sadhuvergangenheit. Später kommt er zu uns ins
Restaurant, zeigt uns auch seine Fotos und seine Stock-Penis-Performance:
der Penis wird um den Stock gewickelt, durch die Beine nach hinten gesteckt
und dann steigt ein Mann, in seinem Fall der Kellner Sunje, hinten auf den
Stock und hält sich an den Schultern des Sadhus fest – das bedeutet für ihn
eine Segnung.
Wir
vollenden die Runde um den See, kommen dabei durch kleine Tempelanlagen
immer wieder mit schönen Ausblicken auf den See. Kühe spazieren hier herum.
Heilige Männer haben kleine Altäre vor sich aufgebaut.
Der
Nachmittag ist dem Kamelmarkt gewidmet. Das ist ein großartiges Erlebnis.
Auf welligem Gelände ein unglaublich großes Areal am Rande der Wüste:
Kamele,
Treiber, Zelte, Händler die Ketten verkaufen wollen, Frauen die in
Metallschüsseln Kameldung sammeln und zum Trocknen auf einem bestimmten
Platz auslegen; Musikanten mit Fideln; ein Paar – der Mann mit der Fidel,
die Frau die Sängerin, beide in schöner Tracht singen uns ihre Weisen vor
und verkaufen CDs.
Plötzlich laufen viele Männer auf einem Platz zusammen – ein besonderes
Kamel wurde an einen Saudi verkauft.
Wir
bleiben bis zum Sonnenuntergang in der Wüste. Hier treffen wir 2 junge
Deutsche,die in Nepal Sozialdienst leisten.
Am
Rückweg herrscht eine besondere Stimmung: kleine Feuer brennen, um die die
Leute hocken und Tee kochen, Rauchschwaden ziehen durch das Tal, mir fällt
ein Lied ein, das wir in unserer Jugend gesungen haben (Jenseits des Tales),
es handelt von einem Heerlager und so wie hier könnte es ausgesehen haben:
unendlich viele Pferde od. Kamele, Feuer und Zelte und Marketenderinnen.
Eine
große Ziegenherde zieht vorbei. Wir kehren nach Pushkar zurück, gehen zum
Nachtmahl in ein Terassenrestaurant, wo alles unglaublich schnell geht, hier
gibt es auch Pizza.
Der
Abend klingt auf der Hotelterasse lustig aus. Gabi erzählt den
Börsten-Aktien-Witz. Von Anne lernen wir einen Spruch, der uns die
Reihenfolge der Planeten im Gedächtnis behalten soll und die Entfernung der
Planeten zur Erde:
Mein
Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere
neun Planeten
Merkur Venus Erde Mars Jupiter
Saturn Uranus Neptun Pluto
Freitag, 11.11.05
Ich
schreibe „November“ und sitze im Schatten auf der Dachterasse, um der
sommerlichen Wärme zu entgehen. Heute sind wir schon um ½ 7 auf den
Kamelmarkt gegangen, wir wollten das Erwachen des Treibens erleben und den
Sonnenaufgang.
Zu
Beginn haben wir eine Fotosession für ein englisches Journal gesehen.
Fotografinnen haben einen Designerschrank und Tisch vor einem Haufen
Kamelfutter fotografiert, eine Heugabel darangelehnt. So entstehen also die
stimmungsvollen Bilder in den schönen Zeitschriften.
Auf dem
Markt herrschte auch schon so zeitig in der Früh reges Treiben:
-
Händler begutachteten Kamele, schauten ihnen ins
Maul, ließen sie im Gehen und Laufschritt vorbeiführen, hießen sie
niederlegen und aufstehen.
-
Männer ums Feuer hockend in ihren gelben und
orangen Turbanen bei Tee kochen.
-
Frauen die Kameldung aufsammeln und die
Schüsseln auf dem Kopf tragen.
-
Männer die Ketten, Schnitzereien,Messer und
kleine Schlösser verkaufen wollen.
-
Kinder mit der Fidel „Bruder Jakob“ spielend
(zum Leidwesen von Gabi)
-
Männer die Kamelfutter kaufen, das mit einer
großen Waage abgewogen wird
-
Kamele werden beim Brunnen getränkt
-
Pferde in ungewöhnlichen Farben – weiß – gelb
gefleckt werden vorbeigeführt.
-
Touristen werden auf zweirädrigen Karren, von
Kamelen gezogen, mit einem stehenden Wagenlenker durch das Kamellager
geführt
-
Kamele röhren, knurren, schreien
-
In der Ferne weiße Touristenzelte.
-
Und noch weiter kann ich die Wüste ahnen
-
Kamele sind mit Papierblumen und –ketten
geschmückt, sind bemalt oder Muster in sie hineingeschoren, haben
Brandstempel
-
Männer mit ihren Turbanen und langen Gewändern
sehen wie biblische Figuren aus.
Nun
warten wir auf der Dachterrasse aufs Frühstück. Gesänge tönen herauf, der
Morgenlärm erfüllt die Luft. Affen klettern auf dem Dach und den Balkonen
und Terrassen herum, sie kommen immer näher, behalten uns im Auge, wir
werfen ihnen Bananenschalen zu, die sie fressen und plötzlich holt sich
einer blitzschnell eine Banane, die Heinz neben sich auf dem Tisch liegen
hat.
Am
Vormittag gehen wir zum Brahmatempel und verbringen dort 1 ½ Stunden. Die
Gläubigen besteigen über Stufen den orange- hellblau bemalten Tempel – sie
bringen Blumen und Zucker als Opfergaben – geben sie dem Tempeldiener – und
bekommen etwas zurück, dann umrunden sie den Tempel.
Das
schönste und beeindruckendste Bild sind die Frauen in ihren bunten Saris:
Orange-rot oder gelb-orange, die Radjastani Schleier sind rot und reich
bestickt. Ich sehe auch blau-grüne oder lila Saris in Farbabstufungen.
Kleine
Frauengruppen sitzen bei den Säulen und Mädchen singen.
-
rot-orange ist die Farbe des Festtages.
-
Ein Mann spricht Heinz an, stellt ihm seine
Familie vor. Die Menschen sind hier sehr freundlich, sie fühlen sich geehrt
wenn Fremde ihnen Aufmerksamkeit zollen.
-
Endlich wieder ein Geldwechsler auf den Stufen
des Tempels,wir brauchen schon dringend Münzen.
Zum
Mittagessen gehen wir in ein Gartenrestaurant abseits des Rummels. Hier
steht ein kleiner Schrein mit folgender Inschrift:
OM – NAM
– SHIVAYA
Your name is true
And you are true
All in one
On in all
Danach durchstreift jeder
für sich die Altstadt, um Geschenke zu kaufen und zeigt später seine
erworbenen Schätze auf der Dachterrasse.
Am
Nachmittag besteigen wir den Hl. Berg RATNA GIR – Juwelenhügel
genannt, auf dessen höchstem Punkt der Saraswati-Tempel steht. Er erinnert
an Brahmas Gattin, die hier aus Kummer über Brahmas Untreue so viele Tränen
vergoß, dass sich der See bildete. (das ist eine der Legenden, von denen es
viele gibt).
In
einstündigem Aufstieg erklimmen wir den Berg über viele Stufen, von einem
Träger begleitet, der uns zeigt wie kraftsparend man die steilen Treppen
ersteigt. Er ist noch ein junger Bursche, der 5x am Tag den Berg mit Lasten
am Kopf besteigt und das Restaurant am Berg beliefert, er spricht schon gut
Englisch, das er anscheinend bei seinen Aufstiegen erlernt. Affen ohne Zahl
turnen auf den Steinen und Bäumen herum.
Beim
Aufstieg hat man immer wieder schöne Aussichten:
auf den See der wie ein
„Diamant“ inmitten der Bergketten umsäumten Stadt
liegt
-
auf das Kamellager und die Zeltstädte
-
auf Täler in den Kamelkarawanen dahinziehen
-
und auf die Wüste in der dunstigen Ferne in der
die Sonne untergeht.
Den
Abend verbringen wir im Restaurant auf der östlichen Seeseite bei Sunje.
Laute Musik und Gesänge aus dem Hari Krishna Tempel erreichen für mich fast
die Schmerzgrenze.
Sunje
ladet uns zu einer Hochzeit nach Ajmer für den nächsten Abend ein.
Samstag, 12.11.05
Vor
Sonnenaufgang gehen Heinz und ich zu den Ghats, um hier das Leben zu
beobachten. Es fällt uns nicht schwer, denn die lauten Hari Krishnagesänge
haben uns schon zeitig aufgeweckt.
Ohne
Schuhe gehen wir die Stiegen hinunter. Ein Tempeldiener spricht uns ein
Mantra vor, das ich wiederhole und bindet uns dann Bänder um die
Handgelenke, mir auf das linke, Heinz auf das rechte Handgelenk.
Dann
beobachten wir ein Ehepaar zur linken und 2 Männer zur rechten Seite bei
ihren rituellen Waschungen. Sie benetzen sich mit Wasser das Gesicht, die
Haare, berühren Nase, Ohren, Mund immer wieder. Die Männer tauchen unter,
die Frau steht bis zu den Knien im Wasser und schüttet es sich mit einer
Schale über den Kopf. Danach trocknen sie sich ab und ziehen die
mitgebrachten trockenen Kleider an.
Bei den
Ghats der beliebten Götter sind viele Menschen und es herrscht ein buntes
Treiben und Farbenspiel der Saris.
Heute
frühstücken wir im Restaurant auf der Ostseite des Sees – eine Prozession
von Hari Krishna Anhängern zieht blumengeschmückt vorbei. Auch hier sind
viele Menschen auf den Ghats.
Auf dem
Weg in die Stadt holen wir eine Prozession ein die zu Ehren Brahmas
stattfindet. Männer und Frauen tanzen, ein Wagen der mit Rosenblättern und
Tagetes und dem Bild eines Gurus geschmückt ist, bildet den Abschluß des
Zuges. Leute die die Straße säumen werfen immer wieder Rosenblätter in die
Prozession und auf den Karren.
Danach
gehen wir noch einmal auf den Kamelmarkt, denn Anne und Gabriele möchten auf
Kamelen reiten, was ihnen auch sehr gut gefällt. Dabei kommen wir durch
einen ganz anderen Teil des Marktes, hier werden Pferde, Zebus und
Wasserbüffel verkauft.
Frauen
tragen meterlanges Zuckerrohr auf den Köpfen.
Wir
gelangen auf eine breite Straße, die natürlich wieder von Verkaufsständen
gesäumt ist. Auch hier werden wir fündig bei Ohrringen und Tüchern.
Durch
den landwirtschaftlich – maschinentechnischen Teil der Messe kehren wir in
die Stadt zurück, rasten in einem stillen Gartenbuffett und kehren ins Hotel
zurück, um uns für den Abend umzuziehen.
Zuvor
essen wir im Restaurant View Point, der junge Bursche Sunje hat 2 Taxis
bestellt, mit denen wir nach Ajmer zur Hochzeit fahren. Aber
vorher kaufen wir noch Geschenke, einen Sari um 750 Rupis und ein Hemd um
180 Rupis. Dann fahren wir durch enge Gassen, kommen in die elterliche
Wohnung eines Fahrers in der sein unfallverletzter, erblindeter Bruder lebt,
kommen zuerst zur falschen Hochzeit, dann zur richtigen. Hier findet eine
Hochzeit neben der anderen statt.
Das
Brautpaar sitzt wie versteinert unter einem Baldachin, er gekleidet und
geschmückt wie ein Maharadja, sie so ähnlich gekleidet; zitternd,
unglücklich, die Augen gesenkt, ein kleines Frotteetüchlein in der
hennageschmückten Hand um Tränen und Rotz abzuwischen. Es ist gerade
Fotosession; die Familienmitglieder und Freunde stellen sich immer 2 und 2
neben das Brautpaar, um fotografiert zu werden. Danach fahren wir zur
nächsten Hochzeit, um vielleicht einen anderen Teil der Zeremonie zu
erleben.
Die
Hochzeiten finden in einer scheinbaren Palastwelt statt, die aus
Bambusstäben, Papier, Stoff und Goldlack hergestellt wird – ein großer Platz
mit schönem Rasen und aufgestellten Sesseln. Hier wird gerade auf den
Bräutigam gewartet. Die wartenden Menschen bedienen sich am reichhaltigen
Buffett. Alle sind schön gekleidet, wunderschöne Saris sind zu sehen. Die
Musik dröhnt laut aus den Lautsprechern. Es finden sehr nette Gespräche mit
verschiedenen Leuten statt.
Gabi
erzählt von einem Ehepaar, das seit einigen Jahren verheiratet ist und auf
ein Kind wartet, jeder hatte vorher einen anderen Partner geliebt, aber sie
mussten sich der Familientradition beugen.
An
diesem Abend finden viele Hochzeiten statt, es ist „big day“ um den 11.11.,
aber der ganze November ist Hochzeitsmonat, denn wir sehen immer wieder
Hochzeitsprozessionen. Dabei reitet der Bräutigam auf einem geschmückten
Pferd, vor sich einen kleinen Buben, Männer tragen zu beiden Seiten der
Prozession Kandelaber, die von einem mitgetragenen Stromaggregat gespeist
werden. Männer tanzen wie verrückt und orgeastisch mit Geldscheinen in der
Hand vor dem Zug.
Als der
Bräutigam kommt, fahren wir. Sunje ist betrunken, er bietet uns Marihuana an
und ich fühle mich von ihm benützt.Wir haben ihm zu einem feuchtfröhlichen
Abend verholfen – aber natürlich dadurch in eine uns unbekannte Welt der
Hochzeitszeremonien eingetaucht.
Sonntag, 13.11.05
Die
Hari Krishnagesänge über Lautsprecher nehmen die Form von Zwangsbeglückung
an; am Morgen um 5h so aufgeweckt zu werden ist nicht lustig. Doch der
Hotelbesitzer beteuert,das findet nur während des Festes statt, sonst ist
Pushkar ein stilles Städtchen.
Er hat
uns eingeladen, den Ashram, in dem seine Eltern wohnen zu besuchen. Auf
einem großen Grundstück haben die beiden Brüder ein Gästehaus begonnen zu
bauen, der Vater wollte aber, dass zuerst der Tempel neu hergerichtet wird.
Wir sind über die Größe des Tempels erstaunt. Es ist ein einstöckiges
Tempelgebäude zu Ehren Shivas mit Marmorböden. An der Ummauerung des
Grundstückes gibt es kleine Schreine, in einem sitzt die Großvaterstatue wie
ein Buddha und blickt ernst in Richtung Tempel.
Es
werden auch Unterkünfte für Sadhus und arme Pilger gebaut, die hier die hl.
Stätten besuchen.
Wir
sitzen im Schatten des Tempels und stellen Fragen:
z.B. wie
hier Beerdigungen stattfinden, bzw. Verbrennungen, was mit der Asche
geschieht. Sie wird in alle Winde verstreut, zurückgebliebene Knochen werden
eingesammelt und im Beisein eines Brahmanen vergraben, dabei mit dem Wasser
des hl. Sees besprengt. Früher wurden die Knochen im hl. See versenkt, was
nicht mehr erlaubt ist.
An den
Verbrennungen nehmen nur Männer teil, die Söhne umrunden das Feuer 7x.
Danach
schlagen wir den Weg zu den Blumenfeldern und zum Tempel am östlichen Hügel
von Pushkar ein. Nach einigen Fragen und gut Glück gelangen wir auf den
richtigen Weg, der von Bäumen beschattet durch Felder führt, an Bauern und
Gutshäusern vorbei an einen Mystischen Ort am Fuße der Berg.
Um einen
mächtigen Baum stehen die Reste eines Hauses in dessen Mauern ein Einsiedler
lebt. Er spricht nicht, deutet nur, wir dürfen hier rasten, er beobachtet
uns, zeigt uns seine kleinen Schreine, die mit Blumen, Steinen,
Schneckenhäusern und Wasserschälchen geschmückt sind; er füttert eine Katze
mit Milch, das er in einem Schälchen schon bereitgestellt hat. Wir dürfen
fotografieren und verabschieden uns mit Verbeugungen.
Auf dem
Rückweg laufen Heinz Kinder nach, die plötzlich hinter einer Mauer
aufgetaucht sind und schenken ihm Sternfrüchte. Das sind schöne Augenblicke,
besonders weil die Kinder kein Geld erwarten.
Ein
letztes Mal sitzen wir im Restaurant View Point – nehmen Abschied von
Pushkar, dem See und dem bunten Bild auf den Ghats. Einmal noch durch den
Basar und ich kehre müde und angefüllt mit Eindrücken ins Hotel zurück. An
diesem Abend werden wir vom Hotelbesitzer mit einem reichhaltigen Essen
verwöhnt.
An
diesem Tage haben wir 2 Blauracken in den Feldern gesehen, Säbelschnäbler
und Rotscheutzel am See, alles Vögel, die wir aus dem Burgenland kennen.
Montag, 14.11.05
Früh am Morgen gehen
Heinz und ich Richtung Post um eine
Blumenkette zu kaufen. Heute ist der Sterbetag von Brigittes Pflegetochter
Stefanie, die mit 17 Jahren an Aids nach langem Leiden gestorben ist.
Beim
Frühstück denken wir an Stefanie und Brigitte erzählt, dass alles Indische
sie magisch angezogen hat, dass sie die bunten Kleider geliebt hat und dass
sie gerne nach Indien gefahren wäre, aber aus hygienischen Gründen es nicht
möglich war. Der letzte Ausflug durch Zürich war im Rollstuhl in ein
Brockenhaus, wo sie einen großen Elefanten aus Stoff entdeckte und mit
diesem auf dem Schoß wieder zurück durch die Stadt fuhr. Eine große
Sehnsucht war auch die Wüste zu sehen und ihr letzter Wunsch, dass Brigitte
mit ihrer Freundin Florine in die Wüste geht und dort ganz besonders an sie
denkt (das geschieht jetzt im Dezember mit Inge)
An
diesem besonderen Morgen überrascht uns Gerhard mit einem Gedicht und
dadurch wird dieses Gedenken etwas ganz besonders.
Sandpattensommer
Pusteblumen – Ufos
schweben
Im
Bestreben, weit zu kommen
Über
Tonnen von Gestein
Und
irgendwo dort unten
Neben
Gegenstrom und Wassernebel
Scheint
mein zweites ICH zu sein.
Steiles
Grün wird grau, verschwimmt,
zerfließt und purzelt kalt und klar
zu
Quellen und geschmolznem Schnee
und ich,
der mit den Augen malt
ganz in
Gedanken, sage Halt
und
reise mit, bis hin zum See.
Wegen
eines Unfalles in Ajmer kommt unser Taxifahrer Jai ein paar Stunden später;
wir werfen uns noch einmal ins Gewühl der Gässchen, lernen neue kennen,
nämlich das Wohngebiet der Einheimischen, eng und schön. Vor den Häusern
führen Podeste entlang der Straße, hier können die Bewohner unberührt vom
Verkehr das Getümmel beobachten.
Hier
kaufe ich mir in einem Antiquitätengeschäft eine wunderschöne Glaskette,
von Inge angeregt, in Orange – grün – blau Tönen. Ich telefoniere mit meinem
Schwiegersohn Andreas und meinem Enkelkind Johanna, das sich gerade für die
Schule fertig macht, es funktioniert wunderbar. In Österreich ist es kalt
und neblig.
Am
Morgen haben wir auch in einem Antiquitätenladen geschaut, durch Judith
angeregt und die schönen hölzernen Pferde und Elefanten betrachtet. Ich
frage, ob er auch Schlösser hat, denn Heinz sammelt solche und bringt einige
interessante Stücke in einer kleinen Truhe herbei. Heinz ersteht eines, das
mit 3 Schlüsseln zu öffnen ist und freut sich riesig darüber. Ich wollte ihn
schon Tage zuvor zum Kauf eines Schlosses anregen, das in Form eines
Männchens gearbeitet war, das er aber aus Preisgründen ablehnte.
Mit dem
jetzt schon bekannten Karren wird das Gepäck von 2 Männern in großer
Geschwindigkeit durch den Ort zum Busbahnhof geschoben und gezogen. Als ein
Gepäckstück abstürzt fängt es einer von den Männern knapp vor dem Boden auf
– eine tolle Reaktion. Es ist gerade Mittagszeit, es ist heiß und staubig,
wir kommen ganz schön ins Schwitzen.
Zum
Abschied hatte uns der Hotelbesitzer im Hotel noch Tagetisketten umgehängt,
er begleitete uns auf seinem Roller bis zum Busbahnhof und gab uns dadurch
die Sicherheit, dass alles gut an seinem Bestimmungsort landet.
Als wir
bei der Ausfahrt die große Anzahl von Autos und Bussen sehen, wird uns noch
einmal die Bedeutung des Pushkarfestes bewusst.
Die
Fahrt von Pushkar nach Jaipur führt uns anfangs durch bergige Landschaft an
vielen kleinen Dörfern, auch hier viele Straßengeschäfte vorbei. Es herrscht
starker Verkehr, Jeeps mit bis zu 15 Personen sind keine Seltenheit, auf
Mopeds und Rollern sitzen und stehen bis zu 6 Personen, vom Kleinkind bis
zum Greis.
Wir
sehen Ziegenherden und natürlich Kühe. Als wir in ebene Landschaft kommen,
von Büschen und Bäumen durchzogen, gelangen wir auf die Autobahn. Hier
werden Kamelherden von Pushkar am linken Fahrstreifen nach Hause getrieben.
Dafür fahren die Lastwagen auf der rechten Spur und wir müssen uns
ungesetzlich durchmanövrieren. Als wir über eine Straßenschwelle hupfen,
hebt es einen Haltebügel des Gepäckträgers aus, das Gepäck rutscht zum Glück
nur 15cm nach vor. Wir sind in einem 10sitzigen neuen Chevrolet verfrachtet,
jeder hat Gepäck am Schoß, die Vier im rückwärtigen Teil des Autos haben es
besonders eng und mich schüttelt ein Hustenanfall (machen mir die Dämpfe des
neuen Autos zu schaffen?)
Wir
rasten und essen bei einer Autobahnstation, wobei der Fahrer die Fahrbahnen
quert. Er hebt das ganze Gepäck herunter, befestigt wieder den Dachträger,
beladet wieder das Auto und verschnürt das Gepäck mit dünnen
Plastikschnüren.
Hier
haben wir das schärfste Essen bekommen, zu meinem Glück mit viel „plain rice“.
Es ist unglaublich wie wacker sich Heinz mit dem scharfen Essen hält.
Die
Fahrt geht weiter, auf dem begrünten Mittelstreifen sind blühende Oleander
und Bougainville gepflanzt, Frauen in ihren bunten Saris benützen ihn als
Gehweg.
Ein
Lastwagen steht mit Achsbruch am Straßenrand, einer liegt im Graben.
Unglaublich viele Menschen werden auf Lastwagen ohne Bordwand transportiert.
Es gibt Zebrastreifen auf der Autobahn, die aber nicht dazu veranlassen, die
Autobahn hier zu überqueren, schon gar nicht eine Kuhherde.
Wir
nähern uns Jaipur, der Verkehr wird immer stärker, wir nehmen Seitenstraßen,
aber auch hier herrscht viel Verkehr.
Abends
erreichen wir unser Hotel. Es ist ein ehemaliger Maharadjapalast (der
Besitzer bewohnt noch den 1.Stock) Wir sind total entzückt! So ein schönes
Ambiente. Wir trinken in der Hall Tee, Kaffee und Tonic, werden von einem
Ober in Turban und schöner indischer Kleidung bedient. Die Hall ist mit
schönen, alten Sitzgarnituren und Tischchen eingerichtet, an den Wänden
hängen Bilder von Maharadjas aus vergangenen Generationen. Von hier erreicht
man eine Bibliothek, reich bestückt mit englischen Büchern, Jane Austen
entdecke ich, aber auch Reisebücher und vieles mehr.
Wir
bekommen einen entzückenden 8-eckigen Gartenpavillion zugewiesen mit einem
großem Marmorbett in der Mitte, mit Spiegel und Teppich und einem Bad in dem
alles funktioniert. Aber auch die anderen Zimmer sind sehr nett, ich glaube,
alle sind höchst zufrieden.
Dienstag 15.11.05
Das
Frühstück nehmen wir im Hotelgarten vor unserem Pavillion ein. In der Mitte
plätschert ein Brunnen, hohe Bäume stehen am Rand, rund zugeschnittene Bäume
und Büsche säumen den Garten, Rabatten umgeben den Brunnen. Papageien
kreischen, Gabi entdeckt zwei Eulen im Geäst eines Baumes, Streifenhörnchen
flitzen die Baumstämme entlang und 2 große Geier oder Milane misten in einer
Baumkrone.
In
schönen Kännchen (Messing) werden die Frühstücksgetränke serviert, das Hotel
hat ein Service mit eigenem Wappen als Firmenzeichen. Heinz hat den
Frühstückstisch mit Blüten geschmückt. Wir genießen das sehr schöne
Ambiente.
Den
ersten Tag in Jaipur bringt uns Jai, unser driver, in die Umgebung, nach
SANGANAR zu einem wunderschönen Jain-Tempel. (Jains sind eine strenge
Richtung des Hinduismus, essen kein Fleisch, kehren vor sich den Boden um
auf keine Ameise zu treten und tragen Mundschutz um keine Mücke zu
verschlucken)
Hier
sind nur Buddhas (Krishna=Shiva) dargestellt. Eine Frau singt Gebete aus
einem Buch und streut immer wieder Weihrauch in ein Schälchen, dass ihre
Gebete mit dem Rauch zum Himmel getragen werden. Mich umfängt eine ganz
besonders schöne Stimmung. An den Ecken des inneren Tempels sind
verschiedene Frauenfiguren dargestellt.: mit Kindern, Trommeln, Flöten u.s.w.,
sie sind
besonders schön anzusehen, leider darf man hier nicht fotografieren, es
hätte viele schöne Motive gegeben z.B. Elefanten die die Säulen getragen
haben.
Danach
fahren wir zu Stofffärbern und Druckern auch hier in der Nähe. Zuerst sehen
wir Männer, die Model in Holz stechen, entzückende Motive, wir kaufen
Elefanten, Kamele und Giraffen für unsere kleinen Kinder zu Hause, es gibt
aber auch Blumen, Pauken und Arabesken.
Das
besondere bei den Stofffärbern ist, dass sie die langen Stoffbahnen auf 8-10
m hohen Bambusgestellen zum Trocknen aufziehen. Dabei sitzt ein Mann auf den
Querhölzern in schwindelnder Höhe und macht diese Arbeit.
Wir
besuchen auch eine Handdruckerei, leider stinkt es hier ganz unglaublich
nach dem Bindemittel Kasein und mich befällt wieder einmal ein Hustenreiz.
Danach
suchen wir eine Möglichkeit zum Essen. Dort passiert ein Missgeschick.
Gerhard versucht die Eingangstüre zu öffnen, da sie nur oben fixiert ist,
verwindet sie sich und das Glas springt. Natürlich großes Hallo, aber Inge
löst den Fall souverän und die Angestellten haben ein Schauspiel das sie
ergötzt. Einer von ihnen ist schadenfroh, denn er erzählt, dass er seinen
Chef schon öfters darauf hingewiesen habe die Türen besser zu verschließen
oder mit Kennzeichen zu versehen. Aber es trifft keinen Armen, er ist im
Edelsteingeschäft tätig. Der Manager hatte anfangs 2500 Rupien verlangt,
aber als Inge 500 Rupi bezahlt sind sie auch zufrieden.
Bei der
Rechnung stellt Inge fest, dass auch das Chaffeuressen verrechnet wurde und
sie meint, wenn sie das abziehen, hätten sie auch ein Trinkgeld. Was haben
wir doch für eine umsichtige Reiseleiterin, die mit unserem Geld sparsam
umgeht. !!!
Am
Nachmittag fahren wir in eine Fabrik, die handgeschöpftes Papier aus Stoff
herstellt sowie verschiedene Waren daraus.
Stoffreste werden zerrissen, aufgeweicht, aus einem Behälter geschöpft, auf
ein Sieb geschüttet, darauf durch Neigen des Siebes gleichmäßig verteilt,
mit Gaze abgedeckt; dieser Vorgang wird ein paar Mal wiederholt, dann auf
eine Palette gekippt, in der Sonne getrocknet, gepresst und dann
weiterverarbeitet: bedruckt, zu Schachteln, Taschen, Briefpapier und
Geschenkpapier (dieses wird sogar mit Hilfe von Nähmaschinen bestickt)
Diese
Fabrik zählt zu den Besten in Indien, exportiert in die ganze Welt (Amerika,
Italien) und hat viele Preise bekommen.
Am Abend
bei Sonnenuntergang fahren wir in ein Dorf. Hier leben 3 Familien mit
Großmütter. Es besteht aus Schilfhütten und einem gemauerten flachen Haus in
dem sie in großen Blechkisten ihre wichtigsten Sachen aufbewahren. Sie
betreiben Ackerbau, pflanzen weißen Rettich, Koriander, Rips, Mais und
Zwiebel an. Sie haben Kühe und Ziegen. Wir werden mit Masallatee bewirtet,
der auf offenem Feuer in einer der Hütten gekocht wurde. Wir fühlen uns hier
sehr wohl, wir merken, dass wir gerne gesehen sind. Die Männer lassen sich
stolz mit ihren Kindern fotografieren. Aber auch die Frauen lächeln, nach
anfänglicher Schüchternheit in die Kamera und ich darf sogar die Frauen in
ihren Hütten beim Kochen beobachten und fotografieren.
Auf den
Feldern spazieren Pfaue, das Nationaltier Indiens.
Bei
großem Verkehrschaos kehren wir in unser Hotel zurück und nehmen auf der
Dachterrasse unser Nachtmahl ein. Man hat die Wahl ein Menü vom Buffett zu
nehmen oder a la carte zu essen.
Wir
beobachteten Feuerwerke die wahrscheinlich von Hochzeiten abgeschossen
werden; ein Marionettentheater wird aufgeführt und ein Bub der uns schon mit
seinem Vater beim Eingang begrüßt hat, führt zur Musik seines Vaters einen
einfachen Tanz auf, dabei läßt er seinen Kopf kreisen und wackeln, dass es
ganz unheimlich ist, er wackelt auch mit den Schultern und rollt die Augen
und kassiert natürlich zum Schluß Bakschisch.
Mittwoch, 16.11.05
Am
Nachmittag führt uns Inge in das sehr schöne Geschäft ANOKI, das sehr schöne
Kleider, Tücher, Blusen, Hemden, Sets u. Überdecken erzeugt, auch für uns
Europäer tragbar. Heinz lässt sich sogar zu einem Hemd überreden!
Dann
fahren wir aus Jaipur hinaus, in umliegende Dörfer, wo Jais Verwandte und
Freunde leben.
Unterwegs trinken wir Cola und werden dabei von jungen und alten Männern
umringt. Einer setzt sich auf ein Motorrad, das gar nicht ihm gehört, mit
einer leeren Colaflasche in Pose und möchte fotografiert werden.
Wir sind
kurz eine abzweigende Straße entlang gegangen und treffen dort auf
Ziegenhirten mit ihren Frauen und Ziegen, sie haben den Ziegen Äste mit
Blättern von den Bäumen geschnitten und füttern sie damit.
Hier
sehen wir auch kleine grüne Bienenfresser od. Smaragdspinte; Heinz erkennt
sie an der verlängerten Schwanzfeder.
Wir
kommen nun in 3 od. 4 verschiedene Dörfer. Überall gibt es wunderschöne
Fotomotive, am liebsten fotografiere ich Frauen in ihren schönen Saris und
Kinder mit ihren neugierigen Augen, aber auch Männer in der Würde ihres
Alters.
Im 1.
Dorf erinnere ich mich an einen besonderen Baum, mit breitem Stamm und
vielen Luftwurzeln.
Im 2.
Dorf knabbert ein Erdhörnchen an einem Futtersack. Hier leben schon einige
Verwandte von Jai.
Auch im
3. Dorf leben entfernte Verwandte. Als der Bauer uns sieht, kommt er schnell
mit seinem Traktor gefahren und verwundert was auf seinem Bauernhof los ist,
erst als er Jai sieht, ist er beruhigt. Hier waren noch nie „Weiße“. Er
lässt sich gerne mit seiner Familie fotografieren.
Im
letzten Dorf leben noch einige Verwandte von Jais Mutter. Hier wird gerade
die Straße gebaut. Frauen schaufeln Sand mit einer für uns ungewöhnlichen
Schaufel (halb Haue, halb Spaten) in Schüsseln, tragen diese zum Traktor und
kippen den Sand auf die Ladefläche.
Wir
werden bei einem Bauern zum Tee eingeladen, nehmen im Innenhof auf Stühlen
Platz. Frauen und Kinder schauen vom Dach herunter. Kleine Kinder versammeln
sich vor dem Tor, schauen neugierig herein, lachen und laufen wieder weg.
Ich
beobachte Frauen mit Wasserbehältern auf dem Kopf und
Schülerinnen in ihren Schuluniformen.
Gabi
wird als Dorffrau verkleidet.
Sie
zieht einen langen Rock an, bekommt einen Schleier umgehängt und natürlich
einen Punkt auf die Stirn geklebt. Die Frauen haben großen Spaß daran. Gabi
erzählt, dass es im Haus sehr rein war und dass es einen 2flammigen
Gaskocher gegeben hat und blitzblankes Geschirr. Ich erinnere mich an die
Hausfrau sehr gut, sie war eine vollschlanke, sehr hübsche und
selbstbewusste Frau, sehr gut geschminkt, mit rotem Lippenstift, was sehr
ungewöhnlich ist.
Die
flachen Häuser des Dorfes sind ein wenig dem Kolonialstil nachempfunden.
Säulen
tragen die Decken der Vorbauten, in deren Schatten Betten oder vielmehr
Liegen, mit Gurten oder Flechtschnüren bespannt, stehen. In diesen
sonnengeschützten, offenen Räumen verbringen die Menschen die Siesta und die
heißen Nächte. Auch jetzt, es ist Mittagszeit ruhen alte Männer im Schatten.
Wir
machen einen Rundgang durch das Dorf. Jai teilt dabei Zuckerl aus. Wieder
eine von Inges guten Ideen, so gibt es kein Gedränge.
Hier
gibt es einen kleinen Laden, davor die öffentliche Waage mit großem 50kg
Gewichten. Jai hockt sich nieder, greift über den Rücken nach hinten und
hebt das Gewicht ein wenig an. Er fordert Gerhard auf, das auch zu
versuchen, aber auf die gleiche Art schafft er es nicht. Wieder einmal ein
Grund zum Lachen.
Buben
öffnen für uns den kleinen Dorftempel. Hier gibt es Wasser in Schalen,
Blumen, Muscheln, Bilder aber auch Bananen als Opfergaben.
Wir
durchstreifen das ganze Dorf und zuletzt werden wir noch einmal auf einem
Bauernhof zum Tee eingeladen. Langsam ist unser Teebedarf gedeckt.
Hier
stehen in einem großen, offenen schuppenartigen Gebäude Liegebetten, aber
auch ein kleiner Kasten mit Fernseher darauf.
Am
Rückweg bleiben wir auf offener Landstraße stehen und essen unsere
mitgebrachte Jause: Äpfel, Bananen, Sandwiches und Kuchen von Anoki. Aus
einiger Entfernung beobachten uns Schüler.
Wir
benutzen einen langen Graben neben der Landstraße als Klo, wir waren nicht
die ersten, die ihn dazu benützt haben.
Zum
Sonnenuntergang fahren wir nocheinmal in das Dorf des Vorabends, ein
wunderschöner, großer Vollmond geht auf.
Jais
Freund zeigt uns mit seinem Buben an der Hand, der ein Hauberl gegen die
„Kälte“ auf hat, seine Felder – natürlich müssen sie bewässert werden. Sie
haben hier genug Wasser, in dickem Strahl rinnt es aus dem Rohr, eine Frau
hat gerade weißen Rettich gewaschen, den sie für den Markt geerntet hatten.
Wir
sitzen alle ziemlich erschöpft auf den Liegen, die für uns im Freien
aufgestellt worden sind. Es gibt wieder Masalla Chai, wir sind alle schon
sehr satt davon, nur Brigitta schafft noch 2 – 3 Gläser, die sie von uns
zugesteckt bekommt.
Das
Nachtmahl nehmen wir auf der Dachterrasse ein, wir ziehen die neuen Kleider
an, Heinz sein neues Hemd. Die Sachen von Anoki sind sehr schön und tragbar.
Anne hat
Fieber und verzichtet zugunsten des Bettes aufs Nachtmahl. Mit einer
Wasserflasche und Notfallstropfen zieht sie sich zurück.
Donnerstag, 17.11.05
Jai
führt mit uns in einen anderen Stadtteil, durchs Viertel in dem viele
Schweine im Straßenabfall wühlen, ein Stück den Berg entlang zu einem
Geschäft das schöne Seidenstoffe hat. Hier kann man sofort etwas aus den
Stoffen nähen lassen, was im Stoffpreis inbegriffen ist. Mir würde ein
lavendelfarbiger-bestickter Stoff gut gefallen, aber 35 Euro sind eigentlich
schon europäische Preise.
Gabi
lässt sich nach einer mitgebrachten Hose 2 Hosen schneidern, eine sogar aus
einem wunderschönen bestickten Seidenstoff. Inge lässt sich aus blauer Seide
eine Bluse mit Stehkragen schneidern. Ich glaube, sie sind beide sehr
zufrieden.
Gabi
musste sich schon in Pushkar eine große Reisetasche kaufen, um ihre
indischen Schätze nach Hause zu bringen.
Danach
brauchen wir Cola. Inge führt uns in ein sehr bekanntes Kaffeehaus – „Coffee
shop“ genannt, in dem es guten Kaffee gibt. Es liegt in einem Hinterhof. Der
Hof ist vollgestellt mit Mopeds und Motorräder und mein erster Eindruck ist,
hier gibt es eine Werkstatt.
Im Cafe
bedient ein weißbekleideter Ober mit rotem Kopfschmuck und Gürtel. Dieses
Cafe hat wohl auch schon bessere Zeiten gesehen, doch es ist der Treffpunkt
vieler intelektueller alter Herren. Nach diesem Vormittagsausflug holen wir
Anne im Hotel ab, die sich hoffentlich regeneriert hat.
Wir besichtigen den Stadtpalast
Chandra Mahal
Dieser
großangelegte Palastbezirk nimmt 2/9 der rasterartig angelegten Stadt ein.
Besonders bemerkenswert sind die großen 350 kg schweren silbernen
Wasserbehälter die rechts und links im Audienzsaal stehen. Sie fassen 900 l
Wasser. Ein Maharadja ließ sie machen, als er zur Krönung Edwards II nach
England eingeladen war, um jeden Tag sein Bad in Gangeswasser zu nehmen.
Der
Audienzsaal wurde gerade für eine Hochzeit mit Girlanden aus Tagetes,
Chrysanthemen und gerollten Blättern geschmückt, also orange-weiße-grüne
Girlanden, außerdem mit Gestecken aus Orchideen und Farnen die
schachtelweise herumstehen.
Auch der
Vorhof des noch bewohnten Palastteiles wird für eine Hochzeit (oder
dieselbe?) geschmückt und mit riesigen Teppichen ausgelegt.
Im
Textilmuseum sehen wir alte bestickte Seidensaris und Maharadjagewänder.
Neben
dem Stadtpalast liegt Jantar Mantar das riesige Observatorium aus dem
Jahr 1728. Es gibt 5 ähnliche Observatorien in Nordindien vom gleichen
Erbauer, eines davon haben wir im Vorbeifahren in Delhi gesehen.
Danach
gehen wir zum Hawa Mahal „Palast der Winde“ ein 5geschossiges Bauwerk
aus Bögen und Balkonen mit 953 Fenstern, jedoch meist nur eine Logenbreite
tief und diente den Haaremsdamen dazu, das Leben auf der Straße zu
beobachten ; es ist kaum mehr als eine schöne Fassade.
Am
Nachmittag nehmen wir unser Mittagessen in einem Hotelrestaurant in der
Stadt ein. Kashmiri Pulao und veget. Pulao sind unsere Standartessen
geworden. Hier treffen wir auch Inges indischen Bekannten Krishan, einen
pensionierten Lehrer und leidenschaftlichen Sammler von Ersttagsbriefen und
Marken und Münzen.
Er lädt
uns in seine Wohnung, in einem Haus in der Altstadt in einem engen Gäßchen
gelegen,ein. Seine Frau und seine Schwiegertochter begrüßen uns. Ich nehme
an, in „seinem“ Zimmer sind für uns Sessel aufgestellt worden und nachdem er
ein Bad genommen hat (anscheinend funktioniert das Wasser od. der Strom nur
zu gewissen Zeiten) zeigt er uns seine Sammlungen, Batiken und
Miniaturmalereien welche er teilweise auf Marmortäfelchen und teilweise auf
Papier malt. Er hat Kontakte zu vielen Menschen in der Welt, schreibt ihnen
zum Geburtstag und telefoniert mit ihnen zu DIWALIS (ein bedeutendes
hinduistisches Fest wie bei uns zu Weihnachten)
Abends
kehren wir zu Fuß zum Hotel zurück, es herrscht ein unvorstellbarer Verkehr
und Lärm und nur mit Mühe erreicht man andere Straßenseiten und zwischen all
dem liegen und gehen Kühe, liegen Menschen vor Häusern, am Straßenrand und
in Mauernischen.
Basarartige Geschäfte säumen die Straße; Verkäufer und Käufer sitzen auf
weiß überzogenen Matratzen, die das ganze Geschäft ausfüllen und tätigen ihr
Geschäft, natürlich bleiben die Schuhe beim Eingang stehen.
Stoffe
liegen ausgebreitet und bieten ein wunderschönes Bild.
Manche
Geschäfte sind nur 1 m breit und einige Meter tief.Wir
kommen
an Eisenwarenhandlungen vorbei, an Teegeschäften und Schmuckgeschäften, an
Läden in denen Gewürze, Teigwaren in bunten Farben, Kleider, Schuhe
angeboten werden, aber auch ausrangierte Nähmaschinen und immer wieder
Armreifen.
Zwischen
den Geschäften, dem Gehweg und der Straße wird Gemüse am Boden auf Planen
liegend angeboten.
Inge,
Gabi, Erni und Judith gehen mit Jai auf eine Hochzeit und sie erzählen
begeistert am nächsten Morgen. Sie haben Blumen als Geschenk mitgebracht.
Die Braut und ihre Familie warteten auf den Bräutigam, es wurde gegessen und
geplaudert, ein aufgeweckter 16-jähriger Bursche kümmerte sich sehr lieb um
sie. Manche Frauen hatten sich auch einfach niedergelegt und geschlafen; es
dauert ja immer sehr lange, bis der Bräutigam erscheint.
Freitag 18.11.05
Mein
Morgen beginnt damit, dass ich mich um 8h in den Garten setze um das
Reisetagebuch zu schreiben. Dabei beobachte ich die Eulen, Pfaue,
Streifenhörnchen und Blauracken, die diese kleine Oase beleben. Der Hotelboy
bewässert die Grünanlage und sammelt heruntergefallene Blüten ein. Diese
duften ganz wunderbar und ich muß auch immer ein paar vor mich auf den Tisch
legen.
Der
heutige Tag führt uns nach Fort Amber. Auf dem Weg kommen wir an
einem Wasserschloß vorbei, das in einem großen aufgestauten See liegt und
sich im Wasser spiegelt.
Amber
war 600 Jahre lang die Hauptstadt von Radjasthan, strategisch sehr günstig
gelegen, da es von den Aravalli Bergen umgeben ist, auf diesen befinden sich
breite Wehrmauern und Wachtürme.
Das Fort
ist eine groß Burganlage, ähnlich unserer Riegersburg in der Steiermark. Ein
breiter, mit großen Steinen ausgelegter Weg führt zum Teil über Stufen,
durch 7 Tore hinauf. Touristen werden mit Elefanten die bemalt sind, oder
Jeeps hinaufgebracht. Als wir kommen ist gerade kein Elefant frei oder sie
müssen Mittagsrast halten, ich sehe sie nämlich von der Burg aus im See
baden. Von oben sieht man auch einen schönen Garten im See gelegen. Man hat
überhaupt einen guten Ausblick von oben, auf die Hügelketten die die Stadt
umgeben, und die Orte und Berge in der Ferne, leider ist es sehr dunstig.
Bevor
wir uns die Burg ansehen, trinken wir auf einer Terrasse Cola, ich muß erst
den Schock überwinden, den ich bekommen habe, als ich sah, wie die Elefanten
angetrieben werden. Danach hat keiner mehr Lust auf einem Elefanten zu
reiten.
In der
großen Festung ist der Audienzpalast und der Spiegelsaal besonders
bemerkenswert, so wie die Frauengemächer die ein Bächlein durchquerte. Wir
durchstreifen viele Gänge und haben immer wieder schöne Ausblicke ins Tal
und auf den inneren Garten. Wir nehmen auch das Mittagessen im Fort ein, z.b.
Nescafe – Tomatensuppe im Becher. (ebenfalls scharf)
Am
Rückweg fotografieren wir die schön bemalten Elefanten, sie sind schon ein
besonderer Anziehungspunkt.
Nach
einem kurzen Rundgang durch Amber und zur Moschee (auf einem Balkon
beobachte ich eine Frau die ihr Haar in der Sonne trocknet und frisiert, ich
winke ihr zu und sie lächelt zurück) fahren wir mit Jai in ein nahegelegenes
Dorf, in dem seine Schwester lebt (sie ist gerade auf einer Hochzeit)
Wir
werden umringt, besonders von den Kindern und Jugendlichen, und von Haus zu
Haus geführt. Schöne Frauen in bunten Saris schauen zuerst zögernd aus den
Häusern, dann lassen sie sich schüchtern fotografieren. Die Buben sind
frecher, sie möchten auf jedem Foto oben sein. Ein kleines Mädchen, von dem
ich dachte es wäre ein Bub, weicht mir nicht mehr von der Seite, es steigt
sogar in den Bus ein und weint dann ganz besonders, als Inge es wieder ihren
Geschwistern übergibt.
Ein
besonders hübsches Mädchen wird von seiner Mutter angehalten den Mist zu
sammeln und die Kühe zu tränken. Wir bekommen Thai und später weiße
Büffelmilch mit Honig.
Auch
hier erlebe ich schöne Momente:
-
alte Männer, in der Würde ihres Alters, mit der
Wasserpfeife in der Hand.
-
Ein Mann mit Kind auf dem Schoß, abseits sitzend
und alles beobachtend
-
Frauen beim Melken und am Brunnen wasserholend,
an ihrer Kochstelle hockend Tee kochen.
-
Männer in naturweißen Leiberl und umgewickelten
Hosen im Schatten beisammensitzend und rauchend.
Zum
Abschluß des Tages führt uns Jai noch in ein Geschäftsgebiet wo es Gewürze
gibt. Hier kaufen wir Safran und in einem anderen Geschäft spitzschnabelige
bestickte Schuhe
An
diesem Abend fühle ich mich angefüllt von allen Eindrücken bis zum
Überlaufen und ich muß einen Abend in Stille verbringen.
Die
Gruppe geht zu Fuß zwischen Kühen, Rikschas, Schweinen, Autos, Fahrrädern
und Mopeds zum „Roten Tor“ in ein indisches Einheimisches Lokal. Eine
steile, enge Treppe führt sie in den 1.Stock auf einen Balkon über der
Straße, der nur mit einem 40 cm hohen Mauersims geschützt ist (für Heinz der
die österr. Bauordnung im Blut hat, unvorstellbar) Hier lassen sie sich an
grau-schwarzen Plastiktischen nieder und essen das Hausmenü:
Thali.
Auf einem „Fondueteller“
aus Metall wird Reis, Chapati, gewürztes Kraut, Kartoffeln mit Sauce, Linsen
und Currysauce serviert und wer wollte konnte nachnehmen.
Der
Blick auf die Straße hat ein vielfältiges Bild gezeigt: Autos, Kamele,
Elefanten, Kühe und Esel und hochbeladene Fahrräder....
Zum
Abschluß sitzen sie im Hotelgarten, ich höre sie lachen und plaudern, dabei
schlafe ich ein.
Samstag, 19.11.05
Luxus Frühstück im Hotel Samode.
Inge hat uns tags zuvor hier zum Frühstück
angemeldet.
In einem
Garten, in dem ein Springbrunnen zwischen grünen Rabatten und
Chrysanthemenstöcken plätschert, stehen schmiedeeiserne Gartentische, schön
gedeckt; und Sessel mit Pölstern laden zum Sitzen ein. Ein reichhaltiges
Buffett erwartet uns:
-Früchte
und Fruchtsäfte
-geschnittenes Obst wie Ananas, Kiwis, Mangos
-Käse
und Schinken auf geschnittenem Kraut und Salat aufgelegt.
-kleine
Omletts
-gebratene Champignons, Kroketten, Kartoffeln
-auf
Wunsch Eier
-Cornflakes, Yoghurt, Muffins und andere Mehlspeisen
-Toast
und dunkles Brot
-Kaffee
und Tee werden serviert.
Ich
fühle mich wie im Schlaraffenland. Wir konnten auch einen Blick in eine
Luxus-Suite werfen, die uns natürlich gut gefiel.
Da die
Toilette auf dem Weg zum Swimmingpool gelegen war, konnten wir auch hier
unsere Blicke kreisen lassen. Tauben und Spatzen badeten im Swimmingpool,
wunderschönblühende Bougonvillen säumten den Weg. Liegestühle mit
Sonnenschirmen, Liegelandschaften mit Baldachinen und vielen Pölstern luden
zum Rasten ein.
Um noch
mehr Kultur zu genießen fuhren wir mit Jai nach Gaithor
Ein
heiliger Ort, eine Tempelanlage, die sich den Berg zwischen den Felsen
hinaufzieht, dazwischen Becken mit grünem algigem Wasser. Affen springen
herum, lausen sich, klettern die Mauern und Felsen hoch, necken und
begattern sich, ein lustiges Schauspiel.
In eines
der Becken sprangen Burschen und tauchten nach Geldstücken, die sie wie
Hamster in den Backen sammelten.
Ein mit
Steinen ausgelegter Weg führte in Windungen auf den Tempelberg. Ein
herrlicher Kraftort – Judiths Pendel bestätigte das. Von hier hatten wir
einen überraschenden Blick auf die Stadt, die uns hier zu Füßen lag und die
Größe der Stadt erahnen ließ.
Zu Füßen
des Tempels grasten Ziegen, turnten Affen. Hier lebte ein nackter
Einsiedler, der anscheinend dem Leben entsagt hatte in einer selbstgebauten
Hütte aus Steinen, Zweigen und Decken.
Den
Abschluß des kulturellen Nachmittags bildeten die CHATTRIS-Grabdenkmäler von
Maharadjas. Wunderschöne, aus Marmor gemeißelte größere und kleiner Tempel.
Hier sehe ich ein Vogerl, das mich an unsere Rotschwanzerl erinnert, auf
einer Mauer wippen.
Als wir
im Schatten eines Geschäftes auf den Rest der Gruppe warteten, ließen Gabi
und ich uns je eine Hand mit Henna verzieren – riecht stark nach Nelken –
mit einer Spritztüte, wie beim Lebkuchenverzieren, spritzte die Frau mit
unglaublicher Geschicklichkeit in Windeseile ein Muster auf die Haut. Die
Würstel mussten eintrocknen und erst nach 1 Stunde heruntergerubbelt werden.
Es sah sehr nett aus, aber jetzt 10 Tage danach ist schon nichts mehr zu
sehen.
Zum
Abschluß des Tages und der Tage in Jaipur fahren wir zum Sonnenaufgang zum
Tiger Fort auf einem nahegelegenen Hügel. Es ist ein schöner Schlußpunkt:
das Aufleuchten der Straßenlampen zu beobachten, die langen Straßen zu
erahnen, die Großstadt Jaipur in der Dunkelheit verschwimmen zu sehen.
Ein
letztes Abendessen auf der Dachterasse des Hotels Bissau Palace.
Und dann
noch zusammenpacken und unsere erstandenen Schätze gut verstauen, denn am
nächsten Morgen fahren wir mit Erni schon um 6h los. Jai, unser Driver, bringt
uns nach Agra zum Taj
Mahal. Die anderen bleiben mit Inge in Jaipur und kommen von dort
nach Delhi.
Sonntag, 20.11.05
Wie
ausgemacht, um 6h geht es los. Es tut gut Ernis Freude auf das Taj Mahal
zu spüren, sie ist richtig ansteckend
Die 240
km bis Agra sind abwechslungsreich: teils sehr schlechte Straßen mit tiefen
Schlaglöchern – aber interessante Dörfer lenken uns davon ab.
-
Rundhütten aus Schilf mit kegeligen Dächern, mit
Lehm od. Dung verschmiert und mit ornamentalen Mustern verziert, ziehen
unsere Aufmerksamkeit an.
-
Ziegelfabriken mit den hohen Schloten und
Arbeiterunterkünften in langen Reihen
-
Getrocknete Kuhfladen in runder Form, mal zu
Hügeln gestapelt, mal in Reihen
-
Obstkarren an der Straße
-
Kamelkarawanen ziehen die Straße entlang,
fressen von den Bäumen und Sträuchern Blätter, nehmen oft die ganze
Straßenbreite ein
-
Bewässerte Felder, in denen Bauern arbeiten (ob
es hier Reisanbau gibt?)
-
Tanzbären am Straßenrand
-
Die Landschaft wechselt zwischen Savanne und
landwirtschaftl. genutzte Fläche und Dörfern ab
In Agra
tauchen wir in ein Verkehrschaos ein, aber Jai schafft es und bringt uns zum
östl. Eingang. Mit einem Elektrotuk-Tuk fahren wir zum Eingang, es gibt
verschiedene Eintrittspreise
(500
Rupis für Einheimische, 750 Rupis für Fremde) wir müssen uns einer
Sicherheitskontrolle unterziehen (Erni darf das Handy und die Stirnlampe
nicht mitnehmen, Heinz muß Kekse und 2 Saftpackerl abgeben)
Durch
ein rotes Tor gelangen wir in einen von Mauern umgebenen Garten. Hier kommen
die Menschen von verschiedenen Eingangstoren zusammen. Alle werden nun durch
ein moscheeartiges Gebäude „das große Tor“ geschleust – und von hier durch
den Torbogen sieht man das erste Mal den Taj Mahal.
Der
Blick ist wirklich überwältigend, war vorher alles in rot gehalten, so steht
nun der weiße Marmorbau mit seinen idealen Proportionen wie ein Diamant vor
dem blauen Himmel (der war mehr dunstig blau). Ich glaube nun, dass das Taj
Mahal zu den schönsten Bauwerken der Welt zählt. (es ist Weltkulturerbe)
Zwischen
den Wegen vom Torgebäude zum Taj Mahal sind lange Wasserbecken in denen
Springbrunnen Wasserfontänen in die Höhe spritzen. Rechts und links vor dem
Gebäude erstrecken sich Parkanlagen mit Bänken.
Über
Stufen gelang man auf das riesige Podest auf dem der gewaltige Bau steht.
Ein großer Platz umgibt den Taj Mahal, teils aus Sandstein, teils aus
Marmor.
Mit der
Rückseite grenzt er an einen wasserführenden breiten Fluß, Kinder baden
darin, Wasserbüffel ziehen durch, Reiher und Enten tümmeln sich
Wir
umrunden das Gebäude, geben „Fotosessions“ und rasten auf einer Parkbank und
lassen immer wieder unsere Blicke über den Taj Mahl schweifen. Langsam
kehren wir aus dem Märchen 1001 Nacht zurück in die Wirklichkeit.
Auf der
Fahrt nach Delhi kehren wir in einem Straßenlokal ein. Anfangs traut sich
keiner etwas essen, aber dann bestellen Erni und Heinz sich köstlich
duftende mit Gemüse gefüllte Fladen. Vielleicht probiere ich das auch einmal
aus: Pizzateig kugeln, gekochte Kartoffeln und Zwiebel. In die Kugeln ein
Loch machen, Gemüsebrei hineinstecken, schließen, flachdrücken und in einer
Pfanne mit wenig Fett herausbraten.
Die
Fahrt nach Delhi auf der Autobahn wird noch abenteuerlich und das
Verkehrschaos in Delhi in den Abendstunden unüberschaubar, aber Jai bewahrt
Ruhe und nach einigen Fehlschlägen findet er das Hotel. Wir sind wieder mit
unserer Gruppe vereint. Diese hat in der Früh noch im Coffee Shop
gefrühstückt und in einem sehr schönen Juwelierladen eingekauft. Ich glaube
auch unterwegs bei einer Raststation gab es noch schöne Ketten zu kaufen.
Montag 22.11.05
Nach
ein paar aufregenden Situationen im Hotel (Inge muß noch ungerechterweise 2x
ihr Zimmer bezahlen) und auf dem Flughafen sitzen wir endlich im Flugzeug,
um nach 7 ½ Std. wieder in Frankfurt zu landen.
Ein
letztes Mal sitzen wir in einem Restaurant zusammen und mit ein paar
Gstanzln, die mir auf der Fahrt nach Agra eingefallen sind, nehmen wir
voneinander Abschied. Brigitta verlässt uns als erste Richtung
Friedrichshafen. Erni, Gabi und wir streifen noch einmal durch den
Duty-Free-Shop und dann verabschieden wir uns voneinander.
In einer
2wöchigen Reise wächst man sehr zusammen, wird eine Familie und trennt sich
dann schweren Herzens.
Aber
unsere Ankunft in Graz läßt uns wieder heimisch werden. Wolfgang und Sabine
unsere Kinder erwarten uns mit 3 Enkeln. Jedes der Kleinen hat eine Tafel
in der Hand
Sonny +
Heinz
Ich
glaube Hanni musste sich ein wenig genieren, wir haben uns riesig gefreut
und das werde ich meinen Enkeln noch erzählen, wenn sie älter sind. Ich bin
so müde, dass ich schnell ins Bett muß und keine Telefonate mehr höre.
Das Jet
Leck hat mich ordentlich erwischt, ich wache jetzt jeden Tag sehr früh
auf(anfangs war es 3h, jetzt ist es 5h) Ich bin putzmunter, stehe auf und
nütze die Zeit um das Reisetagebuch für euch, liebe Mitreisende, zu
schreiben. Zum Glück brauche ich jetzt nicht mehr um 8h schlafen gehen, ich
halte es schon ein bisserl länger aus, aber im Konzert gestern, Dienstag
29.11. sind mir ein paar Mal die Augen zugefallen.
Und nun
noch einige Aussprüche von Euch zur lustigen Erinnerung:
ANNE:
kramt in ihrem Rucksack: „keine Ahnung was ich suche auf jeden Fall finde
ich es nicht!“
ERNI:
den Tempelräuber, aus Straßenräuber und Tempelwächter
-
die Shopping-Endofine haben uns öfters
erwischt
ANNE überlegt, vegetabel cutlets zu bestellen.
Zum Ober: what ist cutlet?
Der Ober: vegetable cutlet
Anne: yes, I take
it
HEINZ:
beim scharfen Mittagessen: a Debreziner is a Schaumrolle dagegen
ERKENNTNIS:
wenn man in Indien reist, spart
man (da dort alles billig ist)
Gibt’s was zu kaufen, spart man, da es zuhause teurer wäre.
Gibt’s nichts zu kaufen, spart man auch
Ergebnis: willst du sparen, fahre mit Inge auf Reisen!!!
GABI
meine: sie wird zu ihrem Mann sagen ich muß wieder einmal sparen, also mach
ich eine Reise.
Wenn es
mir im Winter wieder einmal kalt ist, fällt mir sicher Gabis Spruch:
oaschkalt ein
HEINZ
singt das Lied: i wüll wieda ham und Gerhard dichtet weiter:
fühl mi da so alan, brauch kann Pavillion
In Graz
die Wohnung reicht mir schon.
DAS
WAR`S
LUSTIG
WAR`S
SCHÖN
WAR´S
Ich
danke euch!!!
Reiseausschreibung 2007
Reiseimpressionen A-F
von Gerhard
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