Wo Vanille und Pfeffer wachsen: Madagaskar.

 

Es geht weiter nach Ihosy, die fünf Stunden Fahrt vergehen schnell. Denn die Landschaft hier ist spektakulär. Zuerst gibt es noch einige Granitberge, bis zu 1000 m hoch. Bei Stammeskämpfen sollen sich hier viele Menschen gemeinsam in den Tod gestürzt haben, um einer Niederlage zu entgehen. Heute noch soll man dort Knochen finden, wir werden aber nicht danach suchen… Es geht durch eine Ebene mit weitem Blick bis zu den Bergen. Die hier ansässigen  Bara sind traditionellerweise Rinderzüchter, leben zum Teil halbnomadisch. Rinderherden grasen, immer bewacht von Hirten, denn es sollen hier immer wieder große Herden entführt weit fort getrieben worden sein. Rinderdiebstahl sei so eine Art Volkssport, durch den man sein Statussymbol Rinderbesitz erhöhen kann. Ein junger Mann gilt erst dann als heiratsfähig, wenn er Mut und kraft bewiesen hat durch den Diebstahl von Rinderherden…

In der Nähe liegt der Parc National de I´Isalo, ein Muß. Zerklüftete, wie Skulpturen wirkende Sandsteinberge, verborgene Quellen und Oasen, in allen Rottönen leuchtende Erde, ein einzigartiges Gebiet. Neben Trockenflora findet man tropische Feuchtvegetation an den Flusstälern und darin lebende Lemuren. Ich denke, dass wir mindestens einen Tag im Park unterwegs sein werden.
Nun kommen wir immer südlicher in den exotischsten Teil der Insel „mit ihren dornigen Trockenwäldern aus Euphorbien, kakteenähnlich wirkenden Wolfsmichgewächsen und der Madagaskar-Palme.“, auch Baumwollfeldern, den riesigen Baobabs und merkwürdig abgeflachten Hügeln, goldener Erde und silbernen Bäumen. Sind die Kakteen und Aloe-Pfanzen zuerst noch mannshoch, weichen sie später niedrigem Dornengebüsch. In dieser Gegend finden sich auch die berühmten Grabmale Volksgruppe der Mahafaly, Steingebäude von 10-15 m Seitenlänge, deren Wände mit kunstvollen Ornamenten und phantasievollen Malereien geschmückt sind. Auch geschnitzten Pfähle spielen eine Rolle. Der Ahnenkult wird hier sehr hochgehalten.

Wir erreichen über Sakaraha Toliara, „wo man ankern kann“, heute in Nachpiraten-Zeiten das wirtschaftliche Zentrum des Südens. Breite Strassen, Häuser mit großen Gärten, kaum Regen, so lebt es sich hier. 15 km außerhalb können wir die botanische Station eines Schweizers besuchen, der hier seit 40 Jahren einen 40 ha großen „Garten“ betreibt, und noch immer warten zwei Drittel seiner Trockenwaldpflanzen darauf, botanisch korrekt eingeordnet zu werden.

Es gibt nördlich und südlich eine ganze Reihe Fischerdörfer, davon werde ich sorgfältig eines auswählen. Die Strände sind schön, türkisblaues klares Wasser, gut zum Tauchen und Schnorcheln an den nur 500 m von der Küste entfernten Korallenriffen, Ruhe, gute Ausflugsmöglichkeiten. Hier werden wir die dritte, optionale Woche verbringen.

Die anderen müssen leider zurück, per Flug von Toliara in die Hauptstadt.

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