Auf der Reise zum Heiratsmarkt.

 

Imichil. Heiratsmarkt. Volksfest. Viehmarkt. Religiöses Fest.
Vorbei an ausgedehnten Obst- und Gemüseplantagen kommen wir nach El Ksiba langsam ins vegetationsarme Hochgebirge. Erstaunliche Felsformationen haben uns immer wieder dazu gebracht, Fotostopp zu rufen oder ein Stück zu Fuß zu gehen. Am Straßenrand warten Kinder auf die wenigen Autos, die in dieser Richtung fahren - die Hauptverbindung nach Imichil ist vom Süden her. Sie verkaufen Äpfel und Feigen. In Imichil quartieren wir uns ein im einzigen „Hotel“ samt Restaurant nahe dem Festplatz. Es ist die Alternative zum Übernachten in einem der Zelte, die am Festplatz vermietet werden. Wir haben den Aufenthalt hier genossen, denn der Garten hinter einer hohen Mauer war nach so mancher Stunde im Menschentrubel ein willkommener Rückzugs- und Erholungsort vor neuen Aktivitäten.

Der Aufenthalt in Imichil ist sicher ein Höhepunkt unserer Reise. Dieses große Stammestreffen hat den Charakter eines Volksfestes: Händler, Schausteller, Musikanten, Köche reisen an. Die Menschen, die oft sehr isoliert im Gebirge wohnen, nutzen einmal im Jahr die Möglichkeit, Verwandte und Freunde zu treffen und sich am Markt mit Nötigem einzudecken. Vielleicht wird am großen Tiermarkt auch um ein Schaf oder ein Kamel gefeilscht. Den Namen Heiratsmarkt hat das Fest, weil sich hier im Gebirge eine vorislamische Tradition erhalten hat, die für diesen Kulturkreis verblüffend ist: geschiedene und verwitwete Frauen können sich ihren Ehepartner selbst auswählen. Sie sind erkenntlich an ihrer Kopfbedeckung. Und junge Mädchen haben die Möglichkeit, Burschen kennen zu lernen. Sie flanieren selbstbewusst zu dritt, viert herum und scheinen viel Spaß zu haben.

Am Freitag, unserem Ankunftstag, ist offizieller Viehmarkt in Imichil, der auch an den folgenden Tagen andauert. Unvergessen ist der Kamelmarkt. Auch jede Menge Schafe wechseln den Besitzer, und allein das Verladen der Tiere ist ein Schauspiel für sich.
Am Samstag ist der erste Festtag: es finden traditionelle Zeremonien statt, Musikaufführungen und Tänze.  Auch der Sonntag ist geprägt von verschiedenen Feierlichkeiten. Wir haben entschieden, davon nicht alle anzusehen, da wir lieber die Atmosphäre  am und um den großen Festplatz genossen haben: wir haben in den Zelten gegessen oder Tee getrunken, Schmuck eingekauft und traditionelle Decken - das dauert seine Zeit, ohne Verhandeln geht da nichts - sind am Kamelmarkt lange auf einem Futtersack  gesessen, haben uns einen abgeschiedenen Platz unter Bäumen gesucht für ein Mittagsschläfchen und dann das Dorf erkundet. Langweilig wird es nicht.  Wir entscheiden an Ort und Stelle, wie lange wir bleiben wollen - beispielsweise bis Montag.

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