Von Marrakesch bis in die Wüste.

                                                                                                       
 

Diese Tour ist durch die gute Nachfrage zu einem „Klassiker“ geworden und findet seit Jahren im Februar und im Oktober statt. Marokko ist nur gut drei Flugstunden von uns entfernt und bietet sehr unterschiedliche Eindrücke. Wenn man wollte, könnte man im Winter an einem Tag in Marrakesch bummeln, dann einen Schneeball im Atlasgebirge formen, in die Wüste fahren und von dort ans Meer. Auch unsere Reise „Von Marrakesch bis in die Wüste“ ist geprägt von starken Gegensätzen. Mittags noch in Wien, München, Zürich..., sind wir abends schon am „Tor des Orients“. Bewegen wir uns heute noch auf dem mit Menschen gefüllten großen Platz Djermaa El Fnaa in Marrakesch, wandern wir morgen zu einem einsam gelegenen Berberdorf. Von den vielen Palmen rund um Marrakesch kommen wir in fast vegetationslose Gegenden, dann wieder zu den palmenbestandenen Oasen entlang dem Flusslauf der Draa, sind schließlich in der Wüste. Kommen von den roten Lehmhäusern zu den grauen Steindörfern mit weißen Fensterumrahmungen und dann zu den Kasbahs, den großartigen Lehmburgen. Wir befinden uns auf Fußwegen und kurz darauf auf der beeindruckenden Serpentinenstraße im Atlasgebirge mit den wundervollen Ausblicken, den vielen Farben der Landschaft. Die gefahrene Gesamtstrecke ist vergleichsweise kurz, der Erlebniswert hoch. Wir werden viele einheimische Menschen kennen und schätzen lernen. Einige begleiten uns, andere besuchen wir in ihrem Dorf zu Hause, sehen beim Kochen zu, oder wir feiern im Hotel mit den Angestellten ein spontanes Fest mit viel Musik. Ich freue mich allein schon deshalb auf diese Touren, weil es eine Reise zu FreundInnen ist.

Am Samstag erwartet uns Mahjoub im Flughafen Marrakesch, und unsere erste Fahrt mit dem Landrover führt uns an den Stadtmauern vorbei ins Hotel. Für die Wahl des Hotels spricht vor allem die hervorragende Lage in Gehdistanz zum berühmten Platz Djemaa El Fna, der uns sicher rasch in seinen Bann ziehen wird. Kein Zweifel: wir sind im Orient. Um Gaukler, Märchenerzähler, Artisten, um Musikanten, Feuerschlucker und Heiler bilden sich größere oder kleinere Kreise von Interessierten, und es überrascht beinahe, dass wir Touristen hier deutlich in der Minderzahl sind. Der Djemaa El Fna war und ist ein Unterhaltungsforum für die einheimische Bevölkerung. Wenn die Schlangenbeschwörer bei Sonnenuntergang den Platz verlassen, werden täglich die vielen Garküchen aufgestellt und spät in der Nacht wieder abgebaut - beides bereits ein Schauspiel für sich. Sie bieten von Suppen bis gekochten Lammkopf alles mögliche. In einer Ecke finden wir einige Tische mit gutem heißen Gewürztee. Und auf der anderen Seite gibt es Orangensaft – die Buden mit den hoch aufgehäuften Orangenbergen, die am Rand des Platzes in einer Reihe stehen, gehören zum typischen Bild. Gleich daneben kann man sich mit herrlichen Datteln erster Qualität eindecken, mit getrockneten Marillen oder unterschiedlichen Nüssen.


Sonntag: Natürlich lockt die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und den unzähligen Geschäften. Es gehört mit zu den schönen Erlebnissen in Marrakesch, sich hier einfach treiben zu lassen. Da wird von dem besonders aromatischen Zimt gekauft, dort ein Paar der typischen marokkanischen Slippers probiert. Sehen, hören, riechen. Und irgendwann hat man bestimmt die Orientierung verloren. So oft war ich schon hier, aber immer noch finde ich ohne Nachfragen nicht die Richtung raus, retour zum Platz, zum frischen Orangensaft, ins Café.
Wer statt des Wühlens im Souk lieber eine Besichtigung machen möchte, hat dazu gute Gelegenheit und bei Bedarf das Auto und Mahjoub zur Verfügung.

Nach dem Mittagessen verlassen wir Marrakesch. Zuerst passieren wir einige Ortschaften in der fruchtbaren Haouz-Ebene. Allmählich beginnt den Anstieg auf den 2260 m hohen Paß Tizi n`Tichka. Die Landschaft bietet grandiose Ausblicke in feinabgestimmten Farbenkompositionen. Wir sehen dunkelgraue, weiße, rote, violette, sogar grünliche Felsgebiete, Felder, Flusstäler mit Oleander, Erlen, Pappeln sowie Nadelwälder mit Aleppokiefern. Die Dörfer passen sich ihrer Umgebung an, und man sieht sie oft erst spät: in einem Gebiet mit ockerfarbener Erde sind sie ockerfarben, in einem Gebiet mit grauen Felsen sind sie aus grauem Stein erbaut mit weiß umrandeten Fenstern.
In einem Dorf im Atlasgebirge machen wir halt. Lahcen, unser Begleiter für die nächsten Tage, erwartet uns. Er ist für mich einer der besten Guides, die ich kenne. Lahcen spricht auch Englisch und Französisch und hat ein wunderbares Gespür dafür, was seinen Gästen gerade gut tun könnte. Er versteht es, Interessierten Land und Leute näherzubringen, hat viel Humor und weiß, daß wir manchmal die Ruhe schätzen und brauchen.
Wir haben Zeit für einen Spaziergang, können ein Dorfentwicklungsprojekt besichtigen oder das Mineraliengeschäft von Lahcen oder auch Lahcens Tochter Karima mit ihrem Baby besuchen– die Fotos von ihrer beeindruckenden Berberhochzeit, bei der ich Gast sein durfte, finden Sie auf meiner Homepage unter Afrika/Marokko. Es gibt drei oder vier kleine Touristenläden, und gerechterweise besuche ich sie alle. Wir übernachten im sehr einfachen (einzigen) Hotel.

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