Am
Sonntag
verbringen wir noch ein, zwei Stunden in Marrakesch, je nach Lust und Laune
für einen Bummel in der Altstadt oder eine Besichtigung.
Dann können
wir uns auf eine herrliche Fahrt freuen, bis zur Sahara ein
Erlebnis für sich. Schnee und Wüste, Gebirgsdörfer und Kasbahs, Geröllfelder und Flußoasen folgen einander innerhalb kürzester
Zeit. Als besonderen Kontrast werden wir die blühenden Mandelbäume
erleben. Diese Bilder sind mir so intensiv in Erinnerung, dass die
Blütezeit den Seminartermin mitbestimmte. Nach Marrakesch
passieren einige Ortschaften in der fruchtbaren Haouz-Ebene und beginnen
allmählich den Anstieg auf den 2260 m hohen Paß
Tizi
n`Tichka. Die
Landschaft bietet grandiose Ausblicke in feinabgestimmten
Farbenkompositionen. Wir sehen dunkelgraue, weiße, rote, violette, sogar
grünliche Felsgebiete, Felder, Flusstäler mit Oleander, Erlen, Pappeln
sowie Nadelwälder mit Aleppokiefern. Die Dörfer passen sich ihrer Umgebung
an, und man sieht sie oft erst spät: in einem Gebiet mit ockerfarbener
Erde sind sie ockerfarben, in einem Gebiet mit grauen Felsen sind sie aus
grauem Stein erbaut mit weiß umrandeten Fenstern. In Taddert machen wir
Teepause.
Hier treffen wir
Lahcen, und mit ihm machen wir einen Spaziergang zu Omar. Er wohnt
in einem abgelegenen Berberdorf, ohne Autostraße, ohne Strom, mit
Lehmbacköfen vor den Häusern und einer Lebensweise wie vor langer Zeit.
Wir
folgen einer Einladung zum Tee. Vielleicht gibt es auch ein traditionelles
Essen: frischgebackenes Brot aus dem Lehmofen, serviert auf einem tiefen
Teller und mit flüssiger Butter und Honig übergossen. Dazu werden Walnüsse
gereicht, die dort gut gedeihen.
Nach Taddert wird das
Pflanzenkleid immer spärlicher. Beeindruckende Serpentinen führen uns auf
die Passhöhe, und wir genießen den Blick auf die Gipfel des Hohen Atlas.
Die Strecke ist gesäumt von Verkaufsständen, an denen schöne Fossilien,
Amethyste und eine Vielzahl von besonderen Steinen angeboten werden –
oftmals auch künstlich fürchterlich rot oder blau gefärbt.
Auf der Südseite des Hohen Atlas passieren wir bald einige stark
verschachtelte Dörfer mit in- und übereinandergebauten Häusern, und wir
sehen die ersten Speicherburgen aus Stampflehm. Wir folgen einem Flusslauf
und genießen weiterhin herrliche Ausblicke auf die Gebirgsketten, bis wir
tiefere Gegenden erreichen und schließlich Quarzazate.
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