An der Grenze entsteht Energie. Zur Reise.

 

Montag beginnen wir mit einer Wanderung zur Oase Fint. Wir fahren auf eine Geröllanhöhe am Rand von Quarzazate und sind sicher erstaunt über den überraschenden Ausblick: unter uns liegt ein Flusstal, gesäumt von winzigen Feldern unter Mandelbäumen, Oleander, Palmen. Ich hätte einen Geheimtip mit dieser Route gefunden, meinte Mustapha. Ihn habe ich kennengelernt, als ich auf dem Weg zur Oase mitfahren durfte hoch oben auf einem vollbeladenen Lieferwagen, der aus Mitleid mit mir Fußgängerin stehengeblieben war. Der Wagen sei gemeinschaftlich von allen Oasenbewohnern gekauft worden. Bei Mustapha werden wir eingeladen sein zum traditionellen Tee.  Die Straße führt nicht unseren Wanderweg entlang zur Oase, sondern kommt von der anderen Seite her. Deshalb können jene, die Marokko lieber vom Auto aus genießen, sich auf eine längere Rundfahrt zur Oase Fint freuen, wo wir uns wieder treffen. In der Oase Fint wurde übrigens der Film Asterix mit Gerard Depardieu gedreht. 

Weiter geht es per Auto den Flusslauf der Draa entlang nach Süden. Wir gelangen vorerst in ein nahezu vegetationsloses Gebirgsmassiv, den Djebel Sarho. Der Fluß hat hier tiefe Täler eingeschnitten. Dort, wo die Draa das Gebirge hinter sich lässt, liegt Agdz. Hier machen wir Pause, und Sie können von einer nahen Anhöhe aus einen überraschenden Blick auf die Umgebung werfen.

Immer wieder freue ich mich auf die folgende Strecke zwischen Agdz und Zagora, die zu den schönsten Landschaften Marokkos gezählt wird. Unzählige Dattelpalmem säumen die Draa, und eine Oase folgt auf die andere. Die ockerfarbenen Dörfer in Lehmbauweise werden oft von beeindruckenden Kasbahs bewacht, gemeinsam umschlossen von einer mächtigen Mauer. Wir achten darauf, diese malerische Strecke im weichen Licht des Spätnachmittags zu sehen, denn die dann intensiveren Farben und das Spiel von Licht und Schatten erhöhen den Eindruck ungemein.

Die letzte Wegstrecke von Zagora zum südlichsten Ort M´hamid legen wir daher im Dunkeln zurück. In M´hamid endet die geteerte Straße, aber nicht am Ortsende, sondern gleich nach der Ortseinfahrt... Wir fahren an den beiden kleinen Hotels vorbei (wer will, steigt hier ab) über ein schon lange ausgetrocknetes Flussbett und durchqueren den Ort auf der Hauptstraße, die in der Wüste endet. Dort in der Sahara, 30 Minuten Fußweg vom Dorf entfernt, sind die vier Beduinenzelte der Brüder Mahjoub und Mouloud. Sie und andere wohnen hier und versuchen, über den spärlichen Tourismus ihre Familie zu ernähren. Hier wird gekocht, musiziert, es ist einer meiner Lieblingsplätze.

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