| Zum Pushkarfest nach Indien. |
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Ich
erinnere mich noch gut, wie wir das erste Mal ankamen in Pushkar und ich
noch unbedingt den Kamelmarkt sehen wollte. Ich ging einen von einer Art
Jahrmarktsbuden gesäumten Weg entlang, unterhielt mich mit jemandem und sah
plötzlich rechts über die Buden hinweg langsam ansteigend die Wüste in ihren
Gelb-und Brauntönen. Es waren Tausende von Kamelen zu sehen, in braun und
beige perfekt abgestimmt auf die Farbe des Sandes. Und dazwischen Gruppen
von Männern, stehend, zu mehreren im Kreis sitzend, beim Diskutieren,
Handeln, Teetrinken, Begutachten der Kamele. Ihre prächtigen, farbigen
Turbane kamen zwischen all den Naturtönen wunderbar zur Geltung. Und dann
habe ich nach links geschaut und sah dasselbe Bild. Es war für mich ein
überwältigender Anblick. Ich hatte nicht annähernd damit gerechnet, dass der
Kamelmarkt ein derartiges Ausmaß hat. Noch oft bin ich in den folgenden
Tagen dort herumgewandert, habe mich dann irgendwo hingesetzt und das Bild
auf mich wirken lassen. Die Stimmung war immer wieder anders, morgens,
untertags oder abends. Karawanen kamen und gingen. Frauen in ihrer bunten
Kleidung sammelten den Kameldung, der nach dem Trocknen sofort als
Brennmaterial zum Kochen von Tee oder Fladen verwendet wurde, gerade da, wo
man im Sand eben lagerte. Kamele wurden geschmückt, entweder mit einer Schur
in Ornamentform oder mit bunten Bändern. Und immer wieder Zelte als
Gaststätten, wo man einen Tee trinken konnte, perfekte Beobachtungsposten. Natürlich wird eine solche Gelegenheit, zu der viele Menschen aus oft sehr abgelegenen Gegenden zusammenkommen, auch dazu genutzt, all das anzubieten, was man das Jahr über so braucht, wie Geschirr, Kleidung oder Materialien für die Tiere. Auch Heiler und ein Dentist waren am Arbeiten. Wenn Sie also Zahnweh bekommen: suchen Sie das am Boden ausgebreitete Tuch mit darauf ausgestellten Zangen, einzelnen Zähnen, Prothesen, Fläschchen mit Klebemittel. Ein kleiner Schemel macht es dem Kunden auch wirklich bequem... Neben der Andacht und dem Handeln ist auch Gelegenheit für eine seltene Zerstreuung: Jahrmarktstimmung herrscht. Ein sehr großes klappriges Riesenrad tut seinen Dienst – um nichts in der Welt hätte ich mich getraut, damit zu fahren. Beim Zirkus war Mut nicht nötig. Obwohl, wenn ich mich genau erinnere: bei den Tiernummern mit "wilden" Tieren wurden lediglich einige große Gitter in den Sandboden gerammt... Die Vorstellung dauerte lange und war für uns eher einfach. Aber die Stimmung! Das begeisterte, aufmerksame Publikum hat uns wohl ebenso fasziniert wie die einzelnen Aufführungen. Am deutlichsten im Gedächtnis ist mir die Show einer Gruppe halbwüchsiger Mädchen, züchtig gekleidet in Ballettröckchen und lange Leggings, dazu weite Oberteile. Sie kletterten hintereinander graziös eine nicht sehr hohe Stufenleiter hinauf, haben sich von der Plattform oben in alle Richtungen verbeugt und stiegen auf der anderen Seite wieder hinunter... Wir
werden ca. 4 Tage auf diesem Fest verbringen und reisen schon am Tag vor dem
offiziellen Beginn an. Denn es ist ein schönes Schauspiel, all die Menschen
oft auf der Ladefläche von Lastwägen anreisen zu sehen und zu erleben, wie
das Dorf sich füllt. Im Dorf und am Festgelände ist glücklicherweise
Fahrverbot. Wir wohnen in einem kleinen Hotel mit wunderbarer Terrasse und
Blick auf das Dorf und den See. Denn es ist oftmals doch angenehm, sich
etwas zurückziehen zu können, bevor man wieder all die Farben, Gerüche und
Laute auf sich wirken lässt. Zwei Brüder führen das Hotel, die ich nun schon
seit langem kenne, es ist wie heimkommen. Narendra wird uns vielleicht
wieder in das Haus seiner Eltern einladen und den prächtigen privaten Tempel
mit Pilgerzellen zeigen, nun beinahe fertiggestellt. Sein Vater habe
mitgeteilt, das vor einem Weiterbau am kleinen Hotel nun ein Tempel gebaut
werden solle, und Wünsche der Eltern sind vorrangig. Doch nun endlich der Reihe nach. Schließlich ist das Pushkarfest nur ein Teil der Reise. |