| Wirtshaustouren im Appenzell. |
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Seit ich vor über 20 Jahren hierher an den
Bodensee gezogen bin, begeistert es mich: das Appenzell, die Landschaft
direkt vor meiner Haustüre. Nahezu jeden freien Sonntag bin ich dort zu
finden, einfach unterwegs auf den vielen kleinen Wanderwegen, die oft bei
den Bauernhäusern zwischen Haustüre und Garten laufen. Es gebe keine Chance,
diese uralten Wegerechte zu verlegen, hat mir ein Bauer versichert. Die
Städter würden dies oft versuchen, wenn sie ein altes Haus kaufen, weil sie
den Weg gern aussenherum an ihrem Grundstück hätten statt mittendurch. Keine
Chance. Dieses Festhalten an alten Werten spiegelt sich in der Landschaft
wieder. Die Häuser sind zum größten Teil nicht aus diesem Jahrhundert, alle
gut erhalten, gehören oft Kleinbauern mit Nebenerwerb. Immer wieder
denke ich mir dort, dass auch ich in einem anderen Jahrhundert gelandet bin,
wenn der Ausblick auf ein Dorf oder auf einen Weiler nahtlos in einen
Heidi-Film eingebaut werden könnte. Vielleicht hat die Politik die
Mentalität beeinflusst oder auch die Mentalität die Politik: anders als in
Österreich soll es im Appenzell Steuergesetze geben, durch die ein
jährliches Renovierungsvolumen von der Lohn- oder Einkommenssteuer abgezogen
werden kann. Das habe dazu geführt, dass die Einwohner bestrebt seien,
jährlich Erhaltungsmaßnahmen vorzunehmen. Dadurch kommen die Gebäude nicht
in so schlechten Zustand, dass Abriss das einfachste erscheint. Und das schönste ist, dass man in unzählige dieser schönen alten Häuser einfach hineingehen kann. Es sind nämlich Beizen, wie die Schweizer ihre Wirtshäuser nennen. Nicht selten kommt man dann in eine Gaststube, die der Familie samt Großmutter auch als Wohnzimmer dient. Die Kirschholztische sind noch da, der Kachelofen, der typische eingebaute Holzschrank und der Gläsertrockner. Von der Speisekarte her darf man sich meist nicht zu viel erwarten. Oft steht einfach der Rest der Familiensuppe vom Mittagessen zur Bestellung frei, daneben Käse natürlich, Würste, Gerstensuppe. Für alleinstehende Menschen sind diese Gaststuben manchmal Familienersatz. Wir haben sie dann schon gekannt und auch vermisst, als einer von ihnen am Sonntag Nachmittag nicht zu sehen war. Ja, er ist im Spital, hieß es. Seit einigen Jahren gibt es von einem kleinen Appenzeller Verlag einen Appenzeller Beizenführer zu den schönsten alten Beizen der Gegend. Ich habe mich gefreut, als ich ihn zum ersten Mal sah. Und kaum zu glauben: wir haben mit seiner Hilfe tatsächlich noch einige uns unbekannte Beizen entdeckt, irgendwo versteckt bei Hänsel und Gretel im Wald. |