Von Marrakesch bis in die Wüste. März 2018.

Eine Reise nach Marokko ist eine Reise in meine zweite Heimat, so empfinde ich es jedenfalls. Sie ist geprägt von vielen Begegnungen mit Leuten, die ich in Dörfern und Wüste schon sehr lange kenne. Schwerpunkte sind Marrakesch zu Beginn, dann der Aufenthalt in Berberdörfern und natürlich die Wüste, wo wir am meisten Zeit verbringen werden. Wir werden im März 2018 unterwegs sein, Reisedauer 15 Tage.

 

An zB einem Samstag treffen wir am Flughafen Marrakesch ein. Die erste Fahrt mit dem Taxi führt uns an den Stadtmauern vorbei Richtung Altstadt. Für die Wahl des Hotels spricht die hervorragende Lage in Gehdistanz zum berühmten Platz Djemaa El Fna. Ein Rundgang sollte sich noch ausgehen. Der Platz wird uns sicher rasch in seinen Bann ziehen. Um Gaukler, Märchenerzähler, Artisten, um Musikanten, Feuerschlucker und Heiler bilden sich größere oder kleinere Kreise von Interessierten, und es überrascht beinahe, dass wir Touristen hier deutlich in der Minderzahl sind. Der Djemaa El Fna war und ist ein Unterhaltungsforum für die einheimische Bevölkerung. Wenn die Schlangenbeschwörer bei Sonnenuntergang den Platz verlassen, werden täglich die vielen Garküchen aufgestellt und spät in der Nacht wieder abgebaut - beides ein Schauspiel für sich. Sie bieten von Suppen bis gekochten Lammkopf alles mögliche, gutes und preiswertes Essen in riesiger Auswahl. In einer Ecke finden wir Tische mit heißem Gewürztee, den es nur hier gibt – und in Indien. Rundum Buden mit hoch aufgehäuften Orangenbergen für frischen Orangensaft, sie gehören zum typischen Bild. Gleich daneben kann man sich mit herrlichen Datteln erster Qualität eindecken, mit getrockneten Marillen, unterschiedlichen Nüssen. Oder man bestellt bei den Heilern ein Amulett, das dem schmerzenden Knie auf die Sprünge helfen wird, dem Herz oder überhaupt dem Lebensglück.

Sonntag. Natürlich lockt die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und den unzähligen Geschäften. Es gehört mit zu den schönen Erlebnissen in Marrakesch, sich hier einfach treiben zu lassen. Da wird von dem besonders aromatischen Zimt gekauft, dort ein Paar der typischen marokkanischen Slippers probiert. Sehen, hören, riechen. Und irgendwann hat man bestimmt die Orientierung verloren. So oft war ich schon hier, aber immer noch finde ich ohne Nachfragen nicht die Richtung raus, retour zum Platz, zum frischen Orangensaft, ins Café.

Am Vormittag besichtigen wir den Palais de Bahia, lassen uns zurückversetzen in alte Zeiten. Am Nachmittag suchen wir nach all dem Trubel etwas Ruhe im wunderbaren Garten Jardin Majorelle aus, einem Gesamtkunstwerk, geschaffen von einem Maler. Gegen Abend geht es wieder zurück in den Souk – wenn die Lichter angehen und sich in Silber, Messing und Kupfer spiegeln, ist der Eindruck ein wieder völlig anderer, nun wirklich wie aus 1001 Nacht. .


Montag. Nach dem Frühstück treffen wir unsere Fahrer: zuverlässig und ohne jede Geschwindigkeitslust, das ist mir wichtig.

Am Morgen verlassen wir Marrakesch. Zuerst passieren wir einige Ortschaften in der fruchtbaren Haouz-Ebene. Allmählich beginnt den Anstieg auf den 2260 m hohen Paß Tizi n`Tichka. Die Landschaft bietet grandiose Ausblicke in feinabgestimmten Farbenkompositionen. Wir sehen dunkelgraue, weiße, rote, violette, sogar grünliche Felsgebiete, Felder, Flusstäler mit Oleander, Erlen, Pappeln sowie Nadelwälder mit Aleppokiefern. Die Dörfer passen sich ihrer Umgebung an, und man sieht sie oft erst spät: in einem Gebiet mit ockerfarbener Erde sind sie ockerfarben, in einem Gebiet mit grauen Felsen sind sie aus grauem Stein erbaut mit weiß umrandeten Fenstern.

In einem Dorf im Atlasgebirge machen wir halt. Hier gibt's Mittagessen, und wir besuchen einige Bekannte in ihren kleinen Geschäften entlang der Strasse.

Am Nachmittag geht es die berühmten Serpentinen hinauf auf den Paß Auf der Südseite des Hohen Atlas passieren wir bald einige stark verschachtelte Ortschaften mit in- und übereinandergebauten Häusern, und wir sehen die ersten Kasbahs (Lehmburgen). Wir folgen einem Flusslauf und genießen weiterhin herrliche Ausblicke auf die Gebirgsketten, bis wir schließlich tiefere Gegenden erreichen. eine halbe Stunde Offroad als Abkürzung, und dann sind wir auch schon im netten Hotel von Hamid in der Nähe der wohl berühmtesten Kasbah Marokkos, der Kasbah Ait Benhaddou.


Dienstag. Wir beginnen den Tag mit einem Spaziergang durch das verwinkelte Lehmkonstrukt Ait Benhaddou, verstehen sofort, warum diese Kasbah oft als Filmkulisse dient. Wie gehen hinauf auf den Hügel, mit Überblick über das Dorf und in die Umgebung. Vor über 10 Jahren war Ait Benhaddou so gut wie verlassen, und es tat das Herz weh, war doch der Verfall der Lehmbauten absehbar – obwohl die Unesco eine schützende Hand darübergelegt hatte. Dann kamen immer mehr Touristen und in Folge ein Souvenirladen nach dem anderen in dafür renovierten Gebäudeteilen. Der eine oder andere Bewohner bietet inzwischen sogar sein Haus zur Besichtigung an. Hier hat der Tourismus mit dazu beigetragen, Unwiederbringliches zu erhalten.

Nach einem Mittagessen in Quarzazate beginnen wir unsere Wanderung zur Oase Finnt. Wir fahren auf eine Geröllanhöhe am Rand von Quarzazate und sind sicher erstaunt über den überraschenden Ausblick: unter uns liegt ein Flusstal, gesäumt von winzigen Feldern unter Mandelbäumen, Oleandern, Palmen. Ich hätte einen Geheimtip mit dieser Route gefunden, meinte Mustapha. Ihn habe ich bei meiner allein unternommenen Erkundungstour kennen gelernt, als ich auf dem Weg zur Oase mitfahren durfte hoch oben auf einem vollbeladenen Lieferwagen, der aus Mitleid mit mir Fußgängerin stehen geblieben war. Der Wagen sei gemeinschaftlich von allen Oasenbewohnern gekauft worden. Bei Aziz in Mustaphas Familie werden wir eingeladen sein zum traditionellen Tee. Die Straße führt nicht unseren Wanderweg entlang zur Oase, sondern kommt von der anderen Seite her. Der Landrover setzt die Wanderlustigen ab und dreht dann um. Wir treffen uns in der Oase wieder, beim Tee, zu dem wir als Mittagessen gefüllte Brote bekommen, die Mahjoub aus Quarzazate mitbringt. Wer die Oase schon vorher sehen will – auf in die Videothek: in Finnt wurde der Film Asterix mit Gérard Dépardieu gedreht. Ich freue mich sehr, daß wir bei dieser Reise eine Premiere feiern werden und erstmals in der Oase Finnt übernachten werden. Jahrelang schon kehre ich bei der Familie von Aziz zum Tee ein. Nun hat er ein altes Nachbarhaus renoviert, einige Zimmer, die in einen klassischen Innenhof führen. Ich bin sicher, daß es uns dort gefallen wird.

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